PHILOSOPHIE

PHILOSOPHIE 4.18 – Der Zweifel

20180315_der_denker_philosophLaut DWDS (https://www.dwds.de/wb/Zweifel) ist ZWEIFEL die Unsicherheit bzw Ungewissheit, ob jemand oder etwas glaubwürdig, ob eine Meinung berechtigt ist und ob sich etwas wie angegeben verhält, inneres Schwanken.

Zu den Kräften, die Anstoß zum Philosophieren geben und es in Gang halten, gehört der ZWEIFEL.

Jaspers schreibt (S 17):

Habe ich Befriedigung meines Staunens und Bewunderns in der Erkenntnis des Seienden gefunden, so meldet sich bald der ZWEIFEL. …bei kritischer Prüfung ist nichts gewiß [sic].

Aufenanger (S 94) sinngemäß:

Der Philosoph René Descartes (1596 – 1650) zweifelt an allen bisherigen Erkenntnissen. Gleichzeitig ist er sich aber sicher, dass man die Wahrheit erkennen kann. Auf welchem Weg gelange ich zu ihr? Descartes sagt sich: Ich kann an allem zweifeln, aber ich kann nicht daran zweifeln, dass ich zweifle. Mein Denken kann alles anzweifeln, nur nicht, dass mein Denken existiert.

Er formuliert das so:

Denn es ist ein Widerspruch, daß das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe.

Die erste Gewissheit ist also die, dass ich denke.

Descartes berühmter Schluss daraus heißt:

Ich denke, also bin ich (Cogito, ergo sum).

Oberstes Prinzip bei ihm ist das denkende Bewusstsein. Diese Gewissheit wird zum Ausgangspunkt seiner gesamten Philosophie.

Laut Aufenanger (S 96) sagte Descartes:

Der Zweifel ist also das erste Prinzip der von mir gesuchten Philosophie.

Morris (S 88) sinngemäß:

Hier geht es nicht um einen Zweifel, der zur Skepsis führt. Es geht um einen Zweifel, der produktiv ist, allein dadurch, dass er alles vorher Gedachte kritisiert. Er ist der Weg zu Erkenntnis. Dieser Zweifel wird auch der methodische Zweifel genannt.

Descartes war davon überzeugt, dass wir alle unsere Annahmen und Überzeugungen, die auf der Wahrnehmung unserer äußeren Sinne beruhen, in Zweifel ziehen können.

Er hat sich damit eine rationalistische Philosophie erschaffen.

Rationalistische Philosophie heißt, dass unser Wissen auf offensichtlich wahren Aussagen (oder selbstevidenten Aussagen) oder Sätzen aufgebaut ist. Das heißt, sobald eine derartige wahre Aussage verstanden worden ist, bedarf es keiner weiteren Sinneswahrnehmung, um zu sehen, dass sie wirklich wahr ist.

Beispiele für solche wahre Aussagen:

  • Jede Oberfläche, die rot ist, ist farbig.
  • Wenn A größer ist als B, und B größer als C, dann ist auch A größer als C.

Jedoch schreibt Morris (S 88) zu den Überlegungen Descartes‘:

Die Philosophen glauben nicht, dass Descartes‘ Versuch tatsächlich erfolgreich war. Sein Denken sei jedoch den Versuch wert gewesen. … Praktisch hat der Rationalismus … noch nie funktioniert.

—–

Literatur: siehe PHILOSOPHIE 1.18 – Literaturliste

zur Übersicht

—–

So viel für heute.
Ich wünsche euch allen einen guten Start ins Wochenende.
Alles Liebe
Sophie


PHILOSOPHIE 3.18 – Das Staunen


 

Advertisements
PHILOSOPHIE

PHILOSOPHIE 3.18 – Das Staunen

20180315_der_denker_philosoph

Das Wort STAUNEN bedeutet (laut https://www.dwds.de/wb/staunen), eine ungewöhnliche Sache, Person mit Verwunderung wahrnehmen, oder einem bedeutenden Werk, einer hervorragenden Persönlichkeit Bewunderung entgegenbringen.

Meine Gedanken dazu als Schluss aus dem bereits Gelernten:

Da mir nach meinem vorigen Beitrag bekannt ist, dass wir uns Fragen stell(t)en wie, warum etwas ist, verliert das alltägliche Da-Sein seine Selbstverständlichkeit und Vertrautheit.

Dadurch wird für mich das, was ich für gewöhnlich wahrnehme zum Ungewöhnlichen. Und eine ungewöhnliche Sache (oder Person) nehme ich mit Verwunderung wahr, dh ich staune darüber.

Anzenbacher (S 19) spinnt den Gedanken weiter:

Das alltägliche Erfahrungswissen erweist sich im Staunen als Unwissenheit. … Die Unwissenheit drängt aber nach einem Wissen, das von anderer Art ist als das Erfahrungswissen.

—–

Der Ursprung der Philosophie lag für PLATON und ARISTOTELES in diesem STAUNEN.

Platon schreibt (Anzenbacher, S 18):

Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt; ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen, und wer gesagt hat, Iris [Regenbogen als Botin der Götter] sei die Tochter des Thauma [personifiziertes Staunen], scheint die Abstammung nicht übel getroffen zu haben.

Aristoteles (dtv-Atlas zur Philosophie, S 11):

Denn Staunen veranlaßte [sic] zuerst wie noch heute die Menschen zum Philosophieren. … Wer aber fragt und staunt, hat das Gefühl der Unwissenheit. … Um also der Unwissenheit zu entkommen, begannen sie zu philosophieren…

—–

Quellen: siehe PHILOSOPHIE 1.18 – Literaturliste

zur Übersicht

—–

In meinem nächsten Beitrag werde ich den ZWEIFEL näher beleuchten.

Allen Lesern sei gedankt fürs hier Verweilen.
Ich wünsche eine geruhsame Nacht!

Alles Liebe
Sophie


PHILOSOPHIE 2.18 – Was heißt Philosophie?

PHILOSOPHIE 4.18 – Der Zweifel