OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 15.18 – Der erste Weihnachtsbaum

 

Still steht er da, geschmückt von ihrer liebevollen Hand mit Silberkerzen, Glitzerkugeln und Lametta. Es ist ein ganz besonderer Baum. Wunderschön dicht sind seine Zweige. Der, der ihn ausgesucht hat, hatte Ahnung von Bäumen, möchte man meinen. Dabei, war es sein erster Baum.

Er ist über 40 Jahre alt und kommt aus einem anderen Land. Es ist nicht seine Tradition, einen Weihnachtsbaum auszusuchen und aufzustellen. Aber seiner Frau zuliebe macht er das.

Seine Frau hat den Baum dann so schön geschmückt, dass er ehrfürchtig vor ihm steht.

Die Baumschmückerin wurde vor Jahrzehnten als Kind in ein fremdes Land entführt. Sie gehörte damals einer Glaubensgemeinschaft an, wo Weihnachtsbäume verpönt waren.

Heute, da sie auch die 40 schon überschritten hat, ist sie auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln. Die fremde Tradition hat sie kennengelernt, aber ihre eigene wurde ihr genommen.

Das Lied „Stille Nacht“ zu singen, das wäre zu viel gewesen.

Aber Geschenke liegen unter dem Baum, so will es die Tradition, dass man sich gegenseitig beschenkt.

Vor dem Geschenke verteilen und auspacken gibt es ein gutes Mahl.

Er und sie haben sich auch zwei Gäste eingeladen – ihre Schwester und seinen Cousin aus einem anderen fremden Land. Auch für die beiden ist es ein erstes traditionelles Weihnachten.

Mit Musik und erwartungsvollen Gesichtern werden dann die Geschenke ausgetauscht. Was ist das für eine Freude.

 

© Sophie Atheo

OHRENSESSEL-GEDANKEN


 

Advertisements