OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 3.19 – Nachmittagsidylle

 

20190211_joda20190211_bonschuk20190211_jojoDrei Katzen sind es, die ich hüten darf, Joda, Jojo und Bonschuk. Ich habe keine Erfahrung mit Katzen, deshalb ist es für mich sehr spannend. Ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst vor den Katzenkrallen.

Am ersten Tag: Jede schnelle Bewegung meinerseits ließ sie aufscheuchen und davon laufen.

Am zweiten Tag war ich schon geduldet, nachdem ich einige Leckerlis verteilt hatte.

Und heute am dritten Tag fühlen sich alle wohl, einschließlich mir. Alle drei sind so zutraulich geworden, dass für Jojo und Bonschuk mein Bettende zu ihrer Raststätte geworden ist. Und da nicht drei Katzen am Fußende Platz haben, liegt der Joda im Schaukelsessel neben dem Bett.

Eine wunderbare Nachmittagsidylle im Bauernhaus.

Und draußen weht der Wind und es schneit schon seit den frühen Morgenstunden.

 

 

© Sophie Atheo

OHRENSESSEL-GEDANKEN


 

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KURZE ZEILEN

KURZE ZEILEN 2.18 – Neuanfang

 

Neuanfang

Bin im hohlen Raum
entwurzelt bin ich ganz
Lichter seh‘ ich kaum
vorüber ist der Glanz

Still ist es geworden
Worte hallen nach
Schmerzen überborden
Gedanken liegen brach

Fragen über Fragen
Gefühle, die nicht wollen
Zeilen, die nichts sagen
Immer wieder ‚sollen‘

—–

Hinfort mit diesem Kram
der doch nur bremst
Versinke doch in Scham
da du mich so verkennst

Ich nehm mir Sonne in mein Herz
sodass ich alles hier verschmerz

 

© Sophie Atheo

KURZE ZEILEN 1.18 – Ich geh‘ einfach


 

FOTOS

FOTO 3.18

20181215_weisse_winterprachtFast kein Laut ist zu hören in dieser stillen Winterpracht. Ich spaziere durch den Wald. Nur meine Schritte unterbrechen die Ruhe mit einem Knacken aus dem Unterholz. Lautlos fallen hier und da ein paar Schneeflocken von den Bäumen. Ich atme die frische  Winterluft tief ein. Und eine sonderbare Glückseligkeit bemächtigt sich meiner…

Ich wünsche Euch lieben Lesern auch so einen Moment!
Alles Liebe von eurer
Sophie


FOTO 2.18

Foto 4.18


 

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OHRENSESSEL-GEDANKEN 13.18 – Kraft aus der Erinnerung

 

Stille.

Mit geschlossenen Augen liege ich da und denke an die letzten Tage. Ein Durcheinander an Gefühlen hat mich hin und her gerissen. Von einem Arzttermin zum nächsten bin ich gelaufen. Und nun …

Still ist es im Raum.

In meinem Inneren vibrieren die Zellen und es ist so als ob ein Sog mich nach unten zieht.

Nein, das will ich nicht zulassen.

Stille.

Es dröhnt in meinen Ohren und der Gedankenstrom reißt nicht ab.

In der Ferne höre ich Kinderlachen … unbeschwertes Kinderlachen. Wo ist die Zeit der Unbeschwertheit geblieben? … Es ist schon sehr lange her, dass ich derartiges fühlen konnte. Oder lässt sich das Erwachsensein mit Unbeschwertheit einfach nicht verbinden?

Stille.

Die Stille umfängt mich und wirkt auf meinen Gedankenstrom beruhigend. Das Dröhnen in den Ohren nimmt ab.

Ich höre einen Uhu in der Ferne. Schuhuu. Schuhuu.

Ich erinnere mich nun doch an eine Zeit der Unbeschwertheit im Erwachsenenalter. Es war ein Sommer, schon längst vergangen, aber immer noch lebhaft in der Erinnerung verweilend. In diesem Sommer war ich jedes Wochenende in den Bergen. Mit jedem Höhenmeter, den ich bezwungen habe, nahm die Leichtigkeit zu. Es war so, als ob ich buchstäblich aus allen Problemen herausgestiegen war. Und ich erinnere mich, war der Berg bezwungen, kam unbeschreibliche Kraft in meinen Körper zurück. Federleicht fühlte ich mich dann, während des Abstiegs.

Stille.

Allein die Erinnerung an diesen aktiven Sommer gibt mir schon Kraft. Ich erinnere mich an die lauen Winde am Fuß der Berge, die durch die Blätter des Waldes rauschten. Oder an den röhrenden Hirschen, der sich anhörte wie ein brüllender Bär. Aber auch an die Stille auf einem Berggipfel, den ich ganz alleine erklomm. Nur ein paar Bienen unterbrachen mit ihrem Gesumme die Ruhe des Ortes.

Stille.

Ich atme tief ein und aus und erkenne, dass auch eine Erinnerung Kraft und Mut geben kann…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 12.18 – Mutlos

OHRENSESSEL-GEDANKEN 14.18 – Idylle im alten Bauernhaus mit Seeblick


 

OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 10.18 – Seneca

Wieder einmal sitzt Sophie in ihrem Ohrensessel und hält ein Büchlein in der Hand, das sie schon einmal gelesen hat. Auf der Titelseite steht groß: Seneca, De tranquillitate animi, Über die Ausgeglichenheit der Seele.

An einer Wortfolge auf Seite 21 bleibt sie hängen:

…das Übel, an dem wir leiden, liegt nicht an den Orten [die wir bereisen], sondern an uns. Zu kraftlos sind wir, alles zu ertragen, weder fähig, Mühe, ein Vergnügen, uns selber oder überhaupt etwas länger auszuhalten. Dieser Zustand hat manchen in den Tod getrieben.

Lange grübelt sie über die Worte, „etwas länger auszuhalten“ nach.

Das ist wohl wieder ein Seelenbaustein, den sie gefunden hat, denkt sie sich und sinnt ein bisschen weiter…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 9.18 – Wiederholungen

OHRENSESSEL-GEDANKEN 11.18


 

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OHRENSESSEL-GESCHICHTE 3.17 – Der andere Weihnachtsabend

20171224_erloschene_kerzeDas geschäftige Treiben und Vorbereiten der Menschen für den Heiligen Abend nahm sie aus der Ferne wahr. Aus der Ferne, das heißt, sie beobachtete die emsig hin und her laufenden Menschen von ihrem Fenster aus. Da wurde noch alles geputzt und geschmückt, Bäumchen mit Lichter versehen und Frohe Weihnacht gewünscht.

Und nun ist es so weit. Der Heilige Abend ist da.

Sie sitzt in ihrem Ohrensessel. Es ist still um sie herum. Auch draußen ist es still. Kein Laut kommt an ihre Ohren. Nur das Summen der vergehenden Zeit, das hört sie … seit einigen Tagen. Immer wenn es ganz still ist um sie herum, hört sie es.

Da dringt urplötzlich eine harte Männerstimme an ihr Ohr.

Starr vor Schreck klammert sie sich mit beiden Händen an die Armlehnen ihres Sessels. „Nein!“ denkt sie. „Heute nicht.“ Aber, da waren sie schon da die Bilder, in all ihrer Heftigkeit. Die Bilder von dem Mann, der ihr zwölf Jahre ihres Lebens und ihre Jugend gestohlen hatte.

Er war ein feiner Herr nach außen. Gebildet, umgänglich, wohlerzogen und -angezogen. Ja, das war er nach außen.

Aber seine Seele war schwarz. Das war so eine subtile Schwärze, die er meisterhaft verstand zu verkleiden und als anziehendes Licht darzustellen. Und sie war die dumme Fliege, die sich davon blenden ließ. Immer wieder ließ sie sich von dieser vermeintlich wohligen Wärme anziehen um sich dann an seinem Eis ihren Körper zu verbrennen.

Er hatte ihren Körper, ihre Seele und ihr Denken für seine eigenen Zwecke ge-, ver- und missbraucht.

Das war möglich, weil sie unwissend war. Das war sie wirklich, war sie doch fast gänzlich abgeschieden und eingesperrt aufgewachsen. Ihre Eltern, die nur ihre eigenen Interessen verfolgten, hatten es versäumt, sie auf das Leben vorzubereiten. Als sie vier Jahre alt war, entschieden sie sich, dem Gedankenkonstrukt einer Gemeinschaft beizutreten, das das gesamte Leben samt Denken reglementierte und vorschrieb. In diesem Gedankenkonstrukt war auch kein Platz für Weihnachten.

Und das alles wusste der feine Herr. Er wusste, dass sie bewusst noch nie Weihnachten gefeiert hatte.

Da sie so gesellschaftsfern aufgewachsen war, war sie bei seinen Eltern nicht willkommen. Diesen Umstand versuchte er nie zu ändern. Im Gegenteil. Als sie ihren Wunsch äußerte, gerne Weihnachten im Kreise seiner Familie verbringen zu wollen, lächelte er ihr leicht amüsiert ins Gesicht und sagte mit harter Stimme:

„Du hast kein Recht auf Weihnachten!“.

Still und regungslos sitzt sie da in ihrem Ohrensessel und lässt es einfach passieren, dieses Hämmern dieser Worte in ihrem Kopf. Langsam verhallen diese harten Worte.

Und langsam kehrt sie wieder in die Gegenwart zurück.

Sie nimmt sich vor, bis zum nächsten Jahr zu überlegen, wie sie in Zukunft Weihnachten erleben möchte.

Was sie positiv mit dieser besonderen Zeit im Jahr verbindet, ist die Besinnlichkeit, die mit dem Wort Weihnachten verbunden ist.

Da wird sie anknüpfen, an der Besinnlichkeit…


OHRENSESSEL-GESCHICHTE 2.17 – Der bewusste Augenblick

OHRENSESSEL-GESCHICHTE 4.18 – Beunruhigt


© Text und Bild Sophie Atheo

 

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OHRENSESSEL-GESCHICHTE 2.17 – Der bewusste Augenblick

Sie hält den Atem an. Ganz leise schleicht sie sich an den Grabstein heran. Einen Fuß setzt sie behutsam vor den anderen. Die Sonne brennt sich auf ihrem Rücken in ihr schwarzes T-Shirt. Mittagsstille ringsherum. Von fern her hört sie das Klappern von Milchkannen vom Bauernhof, der an den Friedhof angrenzt.

Der Grabstein ist gänzlich mit Bronze überzogen. Da – ein leiser Windhauch streicht über ihren Arm, hin zu dem feinen Wesen, das da gerade regungslos auf dem Metall verweilt. Ihr Herz pocht schneller. Lautlos hebt sie ihre Kamera und richtet sie auf den kleinen schillernden Federgeist, der da sitzt. Er bewegt sich nicht. Es ist als ob er wüsste, dass es jetzt auf Stillhalten ankommt.

Weiterlesen „OHRENSESSEL-GESCHICHTE 2.17 – Der bewusste Augenblick“