OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 12.18 – Mutlos

 

Anmerkung zu meinen Ohrensessel-Gedanken:

Wie unschwer zu erkennen war in meinen vergangenen Ohrensessel-Gedanken handelt es sich bei Sophie um mich. Anfangs schien es mir leichter in der Art und Weise zu schreiben, wie ich es bisher tat. Nun aber werde ich die Ich-Form wählen, da es sich für mich zum jetzigen Zeitpunkt ehrlicher anfühlt.

 

OHRENSESSEL-GEDANKEN 12.18

Es ist als ob ich in einem tosenden Fluss wäre und fortgetrieben würde, ohne Halt rundherum, immer weiter. Und ich weiß nicht wohin es mich treibt … ziellos, weil kein Boden unter den Füßen…

Es hämmert in meinem Kopf. Meine Gedanken spalten sich als ob eine Hacke sie zerteilen würde. Unfähig etwas an Klarheit zu gewinnen, lasse ich mich in dem Sog des Flusses mitreißen, der mich fest im Griff hat. Wunden, die dabei entstehen, spüre ich nicht.

Der einzige Fixpunkt sind die beiden Worte: ICH WILL, nicht mehr ICH MÖCHTE, oder KÖNNTE ICH VIELLEICHT BITTE.

NEIN!

ICH WILL … ja was will ich denn eigentlich?

ICH WILL frei sein.

ICH WILL Gedankenfreiheit.

ICH WILL Selbstbestimmung.

ICH WILL kein schlechtes Gewissen mehr wegen belangloser Sachen.

ICH WILL wollen.

ICH WILL mich spüren dürfen.

ICH WILL nicht mehr das tun, was andere von mir wollen.

ICH WILL das akzeptieren, was nicht änderbar ist.

ICH WILL das tun, was mir Spaß macht.

ICH WILL auch mal zornig sein dürfen.

ICH WILL mich entfernen von Manipulatoren.

ICH WILL…

Endlos könnte ich diese Liste fortführen. Und doch bin ich unfähig, dieses WOLLEN in die Tat umzusetzen. Ohnmächtig fühle ich mich. Es fehlt mir die Kraft und vor allem der Mut zur Tat. Der Verlust von lieben Menschen wiegt so schwer.

Aber das ist der Preis der Freiheit.

Und jetzt … will ich den Preis für die Freiheit zahlen? …

Aber … so geht’s nicht weiter…

Eigentlich gibt es nur mehr ein vorwärts und kein Zurück mehr. Der Ausstieg aus gewohnten Gedankengängen und Handlungen ist bereits längst vollzogen, nur noch nicht sichtbar nach außen, oder vielleicht doch. Ja … ganz feinfühlige Freunde ahnen schon etwas…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 11.18

OHRENSESSEL-GEDANKEN 13.18 – Kraft aus der Erinnerung


 

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OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 8.18 – Dankbar

Monatelang war sie nicht richtig in ihrem Ohrensessel gesessen. Fast hatte sie ihn vergessen. Aber heute erinnerte sie sich an schöne und auch merkwürdige Ohrensesselzeiten.

Sie setzt sich in den Ohrensessel und legt ihre Füße auf den Hocker. „Eigentlich ist es so angenehm hier“, denkt sie. Sie beschließt, wieder öfter hier zu verweilen, aber nicht mehr um einem verwirrten Geist nachzuhängen, sondern um Kraft zu tanken und sich der Dinge bewusst zu werden, für die sie dankbar sein kann.

Im Moment ist sie so dankbar dafür, dass es in ihrem Leben einen derartigen Ruheort gibt, den sie jederzeit aufsuchen kann. Wie viele Menschen gibt es wohl auf der Welt, die das nicht haben, die heimatlos umherirren, die ein karges Leben fristen…

Überaus dankbar legt sie ihren Kopf zurück. Die Morgensonne klettert immer näher an sie heran. Sie lauscht der Stille, die sie umgibt. Ein Wohlgefühl durchströmt ihren Körper und Geist.

„Ja“, denkt sie, „so ist es richtig und stimmig.“…

© Sophie Atheo

OHRENSESSEL-GESCHICHTE 7.18 – Verlust

OHRENSESSEL-GEDANKEN 9.18 – Wiederholungen


 

OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GESCHICHTE 7.18 – Verlust

20180221_verlust_gedichtsausschnitt_r1Es ist vierzehn Uhr und Sophie sitzt in ihrem Ohrensessel. Vor sich und auf dem Glastischchen neben dem Ohrensessel liegen so an die hundert Papierblätter und Papierblättchen, zum Teil vergilbt, die anderen wieder schneeweiß, wieder andere blau liniert, grau kariert, oder auch ganz rot mit Halbzentimeterlinien geprägt. Jahrelang hatten sie einer Aufarbeitung geharrt und jetzt war diese Zeit gekommen.

Was haben alle aber gemeinsam? … Sie sind mit Wörtern, Sätzen, Satzgebilden und Buchstabenreihen versehen.

Da findet sich eine kindliche Handschrift, dort das Schriftbild einer alten Schreibmaschine mit dem „fliegenden“ Buchstaben ‚e‘ und ganz oben auf dem Stapel die Elefantenpapierrolle mit den handgeschriebenen Frakturbuchstabenfolgen. Ganz unten lugt ein A-Fünf-Notizbüchlein hervor. Als sie es in ihre Hände nimmt und aufschlägt, steht da in roter Schreibschrift, aufgeteilt auf zwei Seiten, Folgendes geschrieben:

Verlust

Dahin.
Wo hin?
Verloren,
weg,
Wertverlust!

Welt vor dir,
Welt neben dir,
Welt hinter dir,
Welt fort, weg,
Weltverlust!

Liebe da,
Liebe nah,
voll Liebe,
Vorliebe,
Liebe danach,
Liebe von dannen, weg,
Liebeverlust!

Freude innen,
Freude außen,
Freude draußen,
Freude verstorben,
weg, Freudverlust!

Freunde haben,
Freunde fühlen,
Freund lieben,
lieben Freund verloren, weg,
Freundverlust!

Leben intensiv,
Leben schön,
… nicht schön,
bedauerlich.
Freude, Freund,
Leben, Liebe,
Welt, Wert.
Fort!
Menschverlust!

Und da steht dann auch noch, dass dieses Gedicht von Sophie geschrieben wurde und zwar im Jahr 1990. Oh, war das lange her, fast dreißig Jahre. Ja, damals war sie ein komplett anderer Mensch gewesen, und sehr jung war sie noch.

Das Leben hatte sie geprägt … in beide Richtungen, positiv und auch nicht so gut … weiß sie heute.

Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als sie diese Zeilen verfasst hatte. Damals hatte sie gerade eben eine ganz liebe und enge Freundin verloren. Sophie glaubte, alles richtig gemacht zu haben.

Der Meinung ist sie heute nicht mehr und es tut ihr jetzt sehr leid.

Traurig geworden, legt sie alle Zettel und das Büchlein wieder zurück in die Schachtel, aus der sie sie genommen hatte.

„Morgen mache ich weiter“, denkt sie…


OHRENSESSEL-GESCHICHTE 6.18 – Der Schneemann

OHRENSESSEL-GEDANKEN 8.18 – Dankbar


© Bild und Text Sophie Atheo