OHRENSESSEL-GEDANKEN

GEDANKEN 5.19 – Nachtstunden

 

Hallo Ihr Lieben,

ich liebe einfach diese Nachtstunden. Bei mir ist es still geworden, äußerlich. Ich bin grade am Verwurzeln in meiner Umgebung. Die Tage laufen dahin und in mir schlagen die Wellen immer noch hoch. Aber ganz langsam überträgt sich diese äußere Stille auf mein Inneres.

Ich sitze da, denke nach und lasse das Leben an mir vorbei fließen. Es ist, als ob ich in den letzten Tagen meinen Motor abgeschaltet hätte. Regungslosigkeit und fast so etwas wie eine Starre hat sich meines Körpers bemächtigt. Nur mein Herz schlägt gleichmäßig weiter.

Ich will mich ganz in mich zurückziehen. Wie eine Raupe, die ihren Kokon um sich spinnt. Ich lasse das zu.

Meine Interessen ruhen.

Was bedeutet mir noch etwas?

Diese Frage hängt über mir und vereinnahmt mich. In meinem Brainstorming-Buch habe ich festgehalten, was mir in meinem Leben jemals wichtige Tätigkeiten waren oder welche mir noch wichtig sind.

Eine ganz schöne Liste ist da zusammen gekommen.

  • Lesen
  • Schreiben
  • Häkeln
  • Afrika
  • Philosophie
  • Literatur
  • Geschichte
  • Fotografieren
  • Musik hören
  • Englisch
  • Malen

Das sind eindeutig zu viele Interessen. All diesen einzelnen Punkten gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, ist eine unmögliche Sache. Vielleicht muss ich einfach einiges streichen? Vielleicht sollte ich klein oder wenigstens etwas kleiner anfangen?

Vielleicht ist es auch einfach noch zu früh, sich genau festzulegen? Wahrscheinlich braucht das noch Zeit…

Und diese Zeit nehme ich mir…

—–

Alles Liebe und eine gute Nacht von Eurer
Sophie


GEDANKEN Übersicht


 

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THERAPIE

THERAPIE 8.19 – Walken am Morgen

 

Hallo Ihr Lieben!
Heute nehme ich euch ganz einfach mit zum morgendlichen Walken:

Es ist grade dreiviertelfünf Uhr früh, als ich aus dem Klinikgebäude trete. Kühle Luft streicht mir über die Wangen. Einen Moment bleibe ich stehen, um dieser Berührung Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist gut, denke ich. Ein bisschen spüre ich noch nach in mein Inneres. Ein Lächeln macht sich breit auf meinem Gesicht. Ein kurzes Wohlgefühl erspüre ich in meinem Bauch. Aber gleich bin ich wieder bei meinen Gedanken und Fragen von gestern. ICH?…

Dann marschiere ich los.

Ein Zwiegespräch entsteht in meinem Kopf. Der Verstand sagt mir, ich solle etwas fühlen. Ja … ich fühle schon etwas. Aber lieber ist es mir, unterhalb des Kopfes Regungen nicht zuzulassen. Habe aber gelesen, dass genau darin das Problem liegt. Ich spüre noch mehr hin: Und ich bemerke, dass für mich Körperregungen sehr negativ behaftet sind.

Einfacher ist es für mich, wenn ich komische Zustände nicht zulasse, wenn ich mich in meinem Kopf befinde … ja, das mag ich. Gedankenspiele finde ich toll. Ich lasse meinen Körper nicht sprechen. Ich beherrsche ihn.

Und genau da erahnt mein Kopf, dass da etwas nicht stimmt, dass ich genau da ansetzen muss. Das wiederum löst einen weiteren Gedankenkreisel aus, dass mir ganz schwindelig wird.

Ich will davon wegkommen und lenke meine Gedanken direkt ins Jetzt auf meine Füße, die sich abwechselnd nach vor bewegen. Gleichmäßig schreite ich dahin.

Langsam gelangt meine Aufmerksamkeit auf die mich umgebende Natur. Dusterlich ist es noch, der Himmel wolkenverhangen und es beginnt zu regnen. Ich lasse das Klinikgelände hinter mir, überquere die Straße und tauche ein in eine triefend nasse Pflanzenwelt. Von den Bäumen tropft es mächtig herab. Schwere volle Wassertropfen fallen auf meine Kappe. Ich höre sie aufprallen.

An der Wehrbrücke angelangt, übertönt das Tosen des Wassers sämtliche anderen Geräusche der Fauna und Flora, wie das Vogelzwitschern oder den Laut, der sich ergibt, wenn der Regen auf die Blätter der Bäume trifft.

Nichts anderes als das Rauschen des Wassers ist da. Ich gehe über die Brücke, halte kurz an und schaue in eine braun- bzw bronzefarbene Brühe umgeben von weißem Schaum an beiden Ufern.

Kein Lebewesen ist zu sehen. Wo sind die Enten, die tagsüber in dem Bach schwimmen? Wahrscheinlich schlafen sie noch. Oder sie sind schon am Klinikgelände unterwegs um sich Futter zu holen. Eine Kollegin füttert nämlich die Tiere mit Äpfel und Haferflocken.

Ich gehe noch bis zur nächsten Holzbrücke und lasse das laute Rauschen hinter mir. Gleichmäßig schwingen meine Zellen zum Marsch.

Dann kehre ich wieder zurück zur Klinik und starte in den Tag, voll von Neugierde auf das was heute kommen mag…

—–

Wenn ich meinen Tag weiter verfolge, merke ich, dass ich über bestimmte Dinge einfach nicht oder noch nicht schreiben kann. Er war sehr heftig, dieser vergangene Tag. Es tun sich im Moment viele Fronten auf. Natürlich kann ich nicht gleichzeitig in allen Gedanken sein, die ich habe. Ich muss filtern. Das fällt mir noch schwer. Was ich damit sagen will, ist, dass ich mir sehr gut überlege, was und wann ich was hier mitteile. Mein Ziel ist nicht, alles zu benennen und meinen Rucksack hier abzuladen. Ich möchte lieber etwas Positives da lassen. Manchmal auch etwas Lustiges oder Nachdenkliches. Viele von Euch kennen viele Gedanken schon lange, während ich erst jetzt darauf stoße. (Also, wenn es langweilig wird, einfach weiterspazieren.)

Die Therapie ist sehr hart und es geht einem so gut wie täglich an die Nieren. Also, wenn ich Positives schreibe, dann deswegen, weil ich mich gerne in diesem Bereich aufhalte. Negatives darf sein, aber ich konzentriere mich mehr auf das was gut ist, was einem beflügelt und weiter bringt.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderbaren Abend mit viel Bei-Sich-Sein und Achtsamkeit Euch selbst gegenüber.

Alles Liebe von Eurer
Sophie


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OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 2.19 – Kara

Sophie zittert am ganzen Körper. Ein Gefühlschaos bemächtigt sich ihrer. Ganz plötzlich hat es eingesetzt. Da ist sie wieder. Ganz unwillkürlich war K. wieder aufgetaucht, mit einer Heftigkeit, die Sophie weit aus ihrer in den letzten Wochen erlangten Balance wirft.

Wochenlang ging es ohne sie. Aber jetzt ist sie plötzlich wieder da, mit all ihrem Weiß, ihrer Liebe zur Reinheit und Ordnung und zur Liebe.

Noch mehr erschreckt Sophie, dass sie nicht bewusst in ihre zweite Persönlichkeit geswitcht war. Das passierte von selbst.

Sophie versucht, sie nicht zu beachten, aber Kara ist dieses Mal zu stark. Kara tritt in den Vordergrund, sie will frei sein. Sie will eigenständig Macht über Sophies Körper. Und je länger Kara um Freiheit kämpft, desto mehr erhält sie diese Macht.

Sophie gibt nach, der Kampf ist aussichtslos heute für sie…

Kara übernimmt die Führung. Sie macht Pläne für die nächste Zeit. „Erst einmal musst du an Gewicht verlieren“, sagt sie zu Sophie. „Du weißt schon, wie das geht. Atypische Anorexie nannten die Ärzte es damals. Aber die hatten Unrecht. Sauberkeit, Reinheit und nebenbei Gewichtsverlust erreichst du nur, wenn du deinen Darm reinigst und zwar mit Abführmitteln. Dann fühlst du dich wieder weiß und sauber und vor allem gut.“

Erschrocken kämpft sich Sophie mit aller Kraft frei, drängt Kara zurück und schafft endlich den Switch wieder in sich zurück.

Doch der Gedanke bleibt. Sophie will an Gewicht verlieren und erinnert sich an längst vergangene Zeiten. Das ging damals so schön. Sie aß sehr wenig und setzte Abführpillen ein, damit das was sie aß so schnell wie möglich wieder den Körper verließ. Das funktionierte gut. Pro Woche verlor sie ein Kilo. Und sie fühlte sich sauber.

Aber bis heute war sie nicht rückfällig geworden.

Nur … am Sonntag beginnt ein neues Leben. Da zieht sie in ihre neue Wohnung ein. Dann wird sie frei sein von jeglichem menschlichen Einfluss und von jeglicher menschlicher Kontrolle und kann alles tun, wozu sie Lust hat, da sie in dieser Wohnung allein wohnen wird.

Niemand kann sie mehr kontrollieren und sollte es jemand versuchen, wird sie das zu verhindern wissen.

Dieser Gedanke lässt sie ruhig werden.

Niemand wird mehr Kontrolle über sie ausüben…

Ein Traum wird für sie zur Wirklichkeit werden.

 

© Sophie Atheo

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OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 13.18 – Kraft aus der Erinnerung

 

Stille.

Mit geschlossenen Augen liege ich da und denke an die letzten Tage. Ein Durcheinander an Gefühlen hat mich hin und her gerissen. Von einem Arzttermin zum nächsten bin ich gelaufen. Und nun …

Still ist es im Raum.

In meinem Inneren vibrieren die Zellen und es ist so als ob ein Sog mich nach unten zieht.

Nein, das will ich nicht zulassen.

Stille.

Es dröhnt in meinen Ohren und der Gedankenstrom reißt nicht ab.

In der Ferne höre ich Kinderlachen … unbeschwertes Kinderlachen. Wo ist die Zeit der Unbeschwertheit geblieben? … Es ist schon sehr lange her, dass ich derartiges fühlen konnte. Oder lässt sich das Erwachsensein mit Unbeschwertheit einfach nicht verbinden?

Stille.

Die Stille umfängt mich und wirkt auf meinen Gedankenstrom beruhigend. Das Dröhnen in den Ohren nimmt ab.

Ich höre einen Uhu in der Ferne. Schuhuu. Schuhuu.

Ich erinnere mich nun doch an eine Zeit der Unbeschwertheit im Erwachsenenalter. Es war ein Sommer, schon längst vergangen, aber immer noch lebhaft in der Erinnerung verweilend. In diesem Sommer war ich jedes Wochenende in den Bergen. Mit jedem Höhenmeter, den ich bezwungen habe, nahm die Leichtigkeit zu. Es war so, als ob ich buchstäblich aus allen Problemen herausgestiegen war. Und ich erinnere mich, war der Berg bezwungen, kam unbeschreibliche Kraft in meinen Körper zurück. Federleicht fühlte ich mich dann, während des Abstiegs.

Stille.

Allein die Erinnerung an diesen aktiven Sommer gibt mir schon Kraft. Ich erinnere mich an die lauen Winde am Fuß der Berge, die durch die Blätter des Waldes rauschten. Oder an den röhrenden Hirschen, der sich anhörte wie ein brüllender Bär. Aber auch an die Stille auf einem Berggipfel, den ich ganz alleine erklomm. Nur ein paar Bienen unterbrachen mit ihrem Gesumme die Ruhe des Ortes.

Stille.

Ich atme tief ein und aus und erkenne, dass auch eine Erinnerung Kraft und Mut geben kann…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 12.18 – Mutlos

OHRENSESSEL-GEDANKEN 14.18 – Idylle im alten Bauernhaus mit Seeblick


 

OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 10.18 – Seneca

Wieder einmal sitzt Sophie in ihrem Ohrensessel und hält ein Büchlein in der Hand, das sie schon einmal gelesen hat. Auf der Titelseite steht groß: Seneca, De tranquillitate animi, Über die Ausgeglichenheit der Seele.

An einer Wortfolge auf Seite 21 bleibt sie hängen:

…das Übel, an dem wir leiden, liegt nicht an den Orten [die wir bereisen], sondern an uns. Zu kraftlos sind wir, alles zu ertragen, weder fähig, Mühe, ein Vergnügen, uns selber oder überhaupt etwas länger auszuhalten. Dieser Zustand hat manchen in den Tod getrieben.

Lange grübelt sie über die Worte, „etwas länger auszuhalten“ nach.

Das ist wohl wieder ein Seelenbaustein, den sie gefunden hat, denkt sie sich und sinnt ein bisschen weiter…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 9.18 – Wiederholungen

OHRENSESSEL-GEDANKEN 11.18


 

ZITATE

ZITAT 16.18 – Astrid Lindgren

Hallo ihr Lieben!

Eines meiner Lieblingszitate möchte ich euch heute ohne viel zusätzliche Worte zukommen lassen:

20180516_astrid_lindgren_schauenIn diesem Sinne wünsche ich euch Zeit für alles was ihr euch wünscht!

Alles Liebe
von
Sophie


Zitat 15.18 – Franz Kafka

Zitatenübersicht

ZITAT 17.18 – Friedl Beutelrock


 

OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 9.18 – Wiederholungen

Tief in ihrem Ohrensessel versunken, die Augen geschlossen, denkt sie nach über die Lust an der Wiederholung.

Stundenlang kann sie sich ein einziges Musikstück immer und immer wieder anhören und verliert dabei nicht das Interesse daran. Einzige Voraussetzung dafür ist, dass die Tonfolgen sie faszinieren. Und es muss sie gar nicht das gesamte Musikstück beeindrucken. Schon ein paar Töne im Stück können sie begeistern.

Auch beim Malen entdeckte sie diese Freude an der Wiederholung. Wobei … bei der Malerei … da tut sich im Wiederholungsprozess so einiges. Unter anderem verfeinert sich die Technik. Eine Idee birgt die nächste, und so fort.

Lange sinnt sie darüber nach, ob dieses stundenlange Wiederholen für sie wohl einen Lebenssinn darstellen könnte? Ist es etwa ihr Weg zu ganz tiefem Glücksempfinden, diese Wiederholungen dermaßen genießen zu können?

Sie beschließt, diese Gedanken und Gefühle wie einen kostbaren Schatz zu hüten…

 

© Sophie Atheo

OHRENSESSEL-GEDANKEN 8.18 – Dankbar

OHRENSESSEL-GEDANKEN 10.18 – Seneca