THERAPIE

THERAPIE 4.19 – Neue punk-ige Frisur

 

Hallo Ihr Lieben!

Die letzten zwei Tage hatten es in sich. Ich kam einfach nicht zur Ruhe und tue mir auch jetzt im Moment während ich schreibe sehr schwer damit, zur Ruhe zu kommen. Habe schon alle möglichen Skills versucht und meine Bezugsschwester hat mir einen Entspannungstee gemacht. Trotz allem wollen sich meine Körperzellen nicht beruhigen. Ich habe das Gefühl, dass jede einzelne Zelle im Köper vehement schwingt und damit noch lange nicht aufhören will.

War heute beim Friseur. Habe mir eine punk-ige Frisur machen lassen. Total kurz und auf der linken Seite zwei rasierte Bögen von vorne nach hinten führend. Ich bin richtig begeistert. Als ich meiner Friseurin zeigte (Fotos auf Pinterest), welche Frisur es werden sollte, war sie richtig erfreut endlich mal eine kreative Frisur machen zu können. Und sie verstand ihr Handwerk. Die Typveränderung ist perfekt gelungen.

Nach dem Haarschnitt, ließ ich mich treiben und ging in den gegenüberliegenden Drogeriemarkt um nach Jahren wieder einmal mit der dekorativen Kosmetik Kontakt aufzunehmen und so zu schmökern. Und ich habe richtig zugeschlagen: Make-Up, Lidschatten, Lippenstift und auch neue Ohrringe waren dabei. Und noch einiges mehr.

Früher (vor dem Ausbruch meiner Krankheit, als ich noch arbeiten ging) schminkte ich mich jeden Morgen und war auch sehr bedacht, das Make-Up tagsüber wieder aufzufrischen. Das war schon ein ziemlicher Perfektionismus. Im Laufe der Krankheit hatte ich aber zunehmend keine Lust mehr und fand keine Veranlassung mehr mich zu „verschönern“. Ich schaute schon auf mein Äußeres, aber nur in Richtung Ordentlichkeit und Sauberkeit. Mich sozusagen zu „dekorieren“, oder Farben aufzulegen fand ich immer mehr sehr beschwerlich. Also ließ ich es sein … jahrelang.

Jetzt aber bewegt mich der Anfang der Therapie dazu, mir etwas Gutes zu tun bzw meine Ärztin sagte, dass ich das herausfinden soll, was etwas Gutes für mich ist. Und das Schminken gehört da definitiv dazu.

Auf der Station angekommen wurde ich von einer Krankenschwester nicht mehr erkannt. Hihi! War so ein richtiger Wow-Effekt. Die Frisur kam bei den Mitpatientinnen recht gut an. Eigentlich hätte ich mich lieber versteckt, da mir die ungewohnte Aufmerksamkeit sehr peinlich und unangenehm war, innerlich. Aber da musste ich durch. Das hatte ich selbst angezettelt. ;)

—–

Das war’s für heute!
Ich wünsche euch allen einen schönen Abendausklang.
Ich lasse diesen Abend buchstäblich ausklingen mit…

Katie Melua, Spiders Web

Gute Nacht und schlaft gut!
Alles Liebe von eurer
Sophie
:)


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THERAPIE

THERAPIE 3.19 – Lob und ICH

 

Hallo Ihr Lieben!

Nun ist etwas Zeit vergangen seit meinem letzten Beitrag.

Ich bin seit gestern auf der Psychotherapiestation. Konnte mich endlich soweit stabilisieren, dass ich hierher kommen konnte.

Und es ging gleich so richtig los. Die Ärztin, die Therapeuten, die Schwestern wollen mich kennen lernen. Ich schaffte es jeweils in knapp einer Stunde einen fragmentarischen Abriss meines Lebens bzw meiner Erlebnisse zu formulieren. Und das muss man am Anfang durchlaufen. Es ist sehr aufreibend für mich. Meine Nerven liegen blank.

In der Achtsamkeitsgruppe um 8.30 Uhr wurden wir aufmerksam gemacht, dass der Mensch Lob braucht. Wir mussten unserem rechten Sitznachbarn ein Lob aussprechen, etwas, was uns an ihm gefiel bzw was man als besonders empfindet sollten wir ihm sagen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man die Mitpatienten noch nicht kennt.

Ich habe mich so konzentriert auf das, was ich meiner Sitznachbarin sagen wollte, dass ich komplett vergessen habe, wofür mich mein linker Sitznachbar gelobt hat, oder was er an mir Positives fand. Schrecklich! Das geht gar nicht! Aber es ist so und hat mir gezeigt, wo ich stehe. Und zwar bin ich meistens im Menschen, der mir gegenüber ist. Sobald ich unter Menschen bin, starten meine „Chamäleon-Eigenschaften“. Das heißt, ich umschließe die jeweilige Person mit meinen Armen, nehme seine „Farbe“ an, bzw versuche ich das zumindest. Ich versuche vehement zu erspüren, was der andere von mir erwarten könnte, oder was ihm Freude machen könnte. Und ich versuche das dann zu geben.

Am Nachmittag hatte ich ein Gespräch mit meiner Therapeutin. Danach stand ich total neben mir und musste so heulen, ich konnte gar nicht mehr aufhören damit. Der Grund dafür war, dass sie mir sagte, ich solle mich während der Therapie nur auf mich konzentrieren und ich sollte keinen Kontakt zu den Täterpersönlichkeiten haben. Ich hatte seit einigen Tagen eine telefonische Verbindung zu einem der Täter. Er hatte mir geschrieben und ich rief ihn an. Total verrückt! Geht auch gar nicht!

Die Therapeutin erklärte mir, warum kein Kontakt so wichtig sei. Eben weil ich mich auf mich konzentrieren soll und ein Kontakt in Täterrichtung die Therapie schwer beeinträchtigen würde.

Ich habe dann den Täter angerufen und mich von ihm verabschiedet. Seine Reaktion war total unerwartet. Er sagte, er würde das verstehen und ich solle mich nur auf mich konzentrieren und er wünsche mir alles Gute.

Total baff war ich! Alles hätte ich erwartet, nur nicht so was. Mir war nur mehr zum Heulen. Eigentlich hätte ich mich vielleicht freuen sollen, darüber dass da so viel Verständnis rüber kam, aber vielleicht ist es von ihm auch nur eine Taktik, mich zu gewinnen. Ich weiß einfach nicht, was da genau passiert war… jedenfalls war die Verwirrung perfekt…

Ich holte mir Hilfe bei der Stationsschwester, obwohl ich da große Zweifel hatte, dass das ein richtiger Schritt wäre. Aber es war der richtige Schritt, sie bestätigte mir das. Und sie erklärte mir den Hintergrund, warum so ein Kontakt während der Therapiephase nicht sein darf.

Ich sollte mich auf mich allein konzentrieren (ich wiederhole mich). Ich sollte zu mir kommen. Ich sollte ganz ins Hier und Jetzt kommen. Das wiederholte sie mehrmals, sodass es auch bei mir ankommen konnte.

Nach dem Gespräch habe ich versucht, wenigstens einige Momente das zu erreichen … nicht in der Vergangenheit, nicht in einem anderen Menschen, ganz im jetzigen Moment zu sein. Leider klappte das überhaupt nicht. Ich spür(t)e mich nicht.

Im Moment bin ich ganz durcheinander. Ich habe Musik im Ohr, Vangelis untermauert mein trauriges inneres Befinden. Ja, traurig bin ich, sogar sehr, fast übermächtig ist die Traurigkeit. Sie bemächtigt sich meiner und begräbt mich unter sich. Wo ist mein ICH? Gibt es das überhaupt? Ist es da, und ich muss es nur finden, oder muss ein ICH erst entwickelt werden?

Viele viele Fragen, die ich gerne beantwortet hätte…

Aber ich bin sicher richtig hier auf der Psychotherapiestation. Ich hoffe, dass ich Antworten finden werde…

—–

Oh, wollte gar nicht so viel schreiben. Jedenfalls sage ich danke fürs Lesen bis hierher.
Habt noch eine gute Nacht.
Morgen ist ein neuer Tag, ein Neubeginn ist wieder möglich!

Alles Liebe
von Eurer
Sophie

 


THERAPIE – Übersicht


 

MOMENTAUFNAHMEN

MOMENTAUFNAHME 12.18

 

Hallo ihr Lieben!

Wie geht es euch?

Es ist wieder einmal Zeit für mein persönliches Protokoll des heutigen Augenblicks:

Wie ist das so, gerade jetzt? Was beschäftigt mich?

Gerade jetzt, in diesem Augenblick…

  • denke ich… oh … heute habe ich aber wenig geschlafen. Bin erst so gegen 1.30 Uhr ins Bett und schon wieder auf… ;)
  • freue ich mich… sehr über meine ganz lieben neuen und sehr persönlichen Internet-Kontakte.
  • habe ich Angst… davor, nicht mehr genug Zeit zu haben, um alle meine Bücher und alle Bücher die ich noch lesen will zu lesen.
  • mag ich… meine neuen Wandschmuck-Spiegelschmetterlinge.
  • mag ich nicht… dass der Tag immer so kurz ist.
  • fühle ich mich… eigentlich schon ganz gut nach meiner Brust-OP. Am Montag zeigt sich, wie es weiter geht.
  • trage ich… ein weißes T-Shirt und meine kuschelige graue Trainingshose.
  • brauche ich… jetzt mal was zu trinken. Also … bis gleich …
  • höre ich… vorwiegend Paloma Faith.
  • lese ich… von Sebastian Fitzek „Der Seelenbrecher“. Huuuu schaurig…
  • trinke ich… heißes Zitronenwasser … hmmmm … löscht gut den Durst.
  • vermisse ich… die Denk- und Merkkraft, die ich in meiner Jugend noch hatte.
  • schaue ich… nicht gerne TV.
  • träume ich… vom Bergsteigen und dem unbeschreiblichen Gefühl, wenn man einen hohen Berg erklommen hat und die Aussicht genießen kann. Da werden viele Probleme zu Problemchen und man kann so herrlich abschalten.
  • bin ich sehr dankbar dafür, dass… ich so wunderbare Ärzte und neue Freunde habe.
  • ist mein nächstes Ziel… mich mehr zu organisieren und dann auch mehr zu fokussieren. Die Zeit ist ja endlich, die wir zur Verfügung haben auf dieser Erde. Wurde mir grade in den letzten Tagen umständehalber ziemlich bewusst.
  • bin ich glücklich, weil… ich Glück im Unglück habe ;)
  • male ich… gerne mit meinen neuen Glitzer-Gel-Stiften.
  • häkle ich… an meiner Granny-Square-Decke für mein Mutterle. Bin schon ein gutes Stückerle vorwärts gekommen.
  • suche ich… Ordnung in mein derzeitiges Chaos zu bringen ;)

—–

So, das wär’s für den Moment.

Nun wünsche ich euch allen einen wunderbaren Morgen, so wie ihr euch das vorstellt. Allen anderen wünsche ich viel Kraft und Mut fürs Weitermachen.

Also, alles Liebe
von eurer
Sophie


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