THERAPIE

THERAPIE 6.19 – Blumengarten

 

Hallo Ihr Lieben zu später Stund‘!

Heute war ein Tag mit ziemlichen Höhen und Tiefen. Ich versuche die Balance zu halten und lenke mich in den Pausen zwischen den Gruppen und Gesprächen ab mit Häkeln und Musik-Hören. So gelang es mir, einen Polsterüberzug für meinen Bruder fertig zu stellen:

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In der Achtsamkeitsgruppe haben wir uns heute einen imaginären Garten zum Ausruhen geschaffen. Ich hatte schon einen und baute meinen Garten aus.

Grundsätzlich habe ich in meinem Garten nur weiße Blumen. Eine Ausnahme gibt es aber – so als wären es Tupfen in dem Weiß habe ich roten Mohn gepflanzt.

Eine Vielzahl von Blumen gibt es da. Nelken, Rosen, Callas usw.

Im hinteren Teil des Gartens steht eine weiße gemütliche Polsterbank. Ein paar Birken sind hinter der Bank und werfen einen feinen Schatten auf diese. Zwischen durch die Blätter im Windspiel schaukeln ein paar Sonnenstrahlen auf und ab.

Ein Stückchen weiter spielen zwei weiße Tauben in einem marmornen Vogelbad. Ihr Spiel miteinander zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Anmutig und auch stolz präsentieren sich die zwei.

Am Rand des Gartens ist eine große Mauer, die weiß gestrichen ist. Die Mauer ist ringsum bedeckt von einem dunkelroten Ziegeldach um vor Regen geschützt zu sein.

Ein Tor gibt aus auch in der Mauer. Dieses Tor ist fest verschlossen und den Schlüssel dazu habe nur ich.

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Eigentlich verweile ich in diesem wunderbaren und friedlichen Garten ganz alleine,
ich lasse Euch aber gerne ein bisschen daran teilhaben.
Vielleicht habt Ihr auch schon einen derartigen Raum für Euch geschaffen.
Wenn nicht, macht doch einfach mit!

Alles Liebe für Eure Nacht wünscht Euch
Eure
Sophie


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THERAPIE

THERAPIE 5.19 – Enten und Essstörung

 

Hallo Ihr Lieben!

Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch.

Ich komme grade von einem Spaziergang in der Sonne (inklusive ein bisschen Verweilen auf einer Bank).

Heute früh war ich auch schon eine halbe Stunde draußen. Ich ging eine Runde Nordic-Walken. Da ich im Moment sehr viel Hitze in meinem Körper spüre, empfand ich den kühlen Morgen als sehr wohltuend. Entsprechend meiner Therapie-Hausaufgaben konzentrierte ich mich ganz stark darauf, was ich in meinem Inneren spürte. Ich spürte ein angenehmes Gefühl in der Bauchgegend.

Dann sah ich sie, die kleinen Wesen auf dem Wasser. Da war schon mächtig was los. Enten waren da, sowohl männliche, als auch weibliche. Die männlichen Enten machten großes Geschrei. Bei näherem Beobachten merkte ich, dass drei Erpel vehement ein Weibchen und ein Nest verteidigten gegen einen Eindringling. Schon erstaunlich, was da abging.

Trotz des Kampfes, der da stattfand, war dieses Naturschauspiel einfach wunderschön zum Ansehen. Die Gefiederfarben der Wesen glitzerten durch die aufspritzenden Wassertropfen wunderschön. Die Morgensonne spielte mit all ihren unsichtbaren Tentakeln.

Und da war sie, die Freude, die ich schon länger nicht mehr so übergroß empfand. Freude und auch Begeisterung waren da.

Ganz beschwingt und voller Energie lief ich zurück zur Therapiestation. Da angekommen duschte ich und widmete mich dann mit allen Sinnen meinem Frühstück mit Müsli und Apfel.

Mit allen Sinnen? … Das versuchte ich zumindest bzw das will ich noch üben.

Lese grade zum Thema Ess-Störungen das Buch „Die Frau, die im Mondlicht aß / Die uralte Weisheit von Märchen und Mythen hilft Frauen, Ess-Störungen zu überwinden“ von Anita Johnston.

Anita Johnston, Ph.D, CEDS, ist klinische Psychologin und zertifizierte Fachärztin für Essstörungen und Supervisorin. Sie ist seit über 35 Jahren im Bereich Frauenprobleme und Essstörungen tätig (mehr über Anita Johnston).

Unter anderen Märchen ist in diesem Buch unter den ersten Kapiteln das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ zu finden, in dem zuletzt ein kleines Mädchen die Wahrheit aufdeckt.

Ich möchte zu dem Buch eigentlich nur noch das Folgende verraten:

Das Buch wird von mir nach drei Kapiteln als extrem lesenswert befunden. Insbesondere ist dieses Buch für Menschen, die mit einem gestörten Essverhalten zu kämpfen haben. In diesem Zusammenhang geht es unter anderem um die weiblichen und männlichen Elemente in uns, die aus der Balance sein können. Also auch ein Buch für Menschen, die nicht direkt an einer Essstörung leiden…

 

—–

Soweit mein heutiger Tageseinblick.
Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, aber … eins nach dem anderen!

Ich wünsche euch noch einen schönen Restsonntag mit so viel wie möglich Achtsamkeit mit euch selbst.

Alles Liebe
von eurer
Sophie
:)

 


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THERAPIE

THERAPIE 4.19 – Neue punk-ige Frisur

 

Hallo Ihr Lieben!

Die letzten zwei Tage hatten es in sich. Ich kam einfach nicht zur Ruhe und tue mir auch jetzt im Moment während ich schreibe sehr schwer damit, zur Ruhe zu kommen. Habe schon alle möglichen Skills versucht und meine Bezugsschwester hat mir einen Entspannungstee gemacht. Trotz allem wollen sich meine Körperzellen nicht beruhigen. Ich habe das Gefühl, dass jede einzelne Zelle im Köper vehement schwingt und damit noch lange nicht aufhören will.

War heute beim Friseur. Habe mir eine punk-ige Frisur machen lassen. Total kurz und auf der linken Seite zwei rasierte Bögen von vorne nach hinten führend. Ich bin richtig begeistert. Als ich meiner Friseurin zeigte (Fotos auf Pinterest), welche Frisur es werden sollte, war sie richtig erfreut endlich mal eine kreative Frisur machen zu können. Und sie verstand ihr Handwerk. Die Typveränderung ist perfekt gelungen.

Nach dem Haarschnitt, ließ ich mich treiben und ging in den gegenüberliegenden Drogeriemarkt um nach Jahren wieder einmal mit der dekorativen Kosmetik Kontakt aufzunehmen und so zu schmökern. Und ich habe richtig zugeschlagen: Make-Up, Lidschatten, Lippenstift und auch neue Ohrringe waren dabei. Und noch einiges mehr.

Früher (vor dem Ausbruch meiner Krankheit, als ich noch arbeiten ging) schminkte ich mich jeden Morgen und war auch sehr bedacht, das Make-Up tagsüber wieder aufzufrischen. Das war schon ein ziemlicher Perfektionismus. Im Laufe der Krankheit hatte ich aber zunehmend keine Lust mehr und fand keine Veranlassung mehr mich zu „verschönern“. Ich schaute schon auf mein Äußeres, aber nur in Richtung Ordentlichkeit und Sauberkeit. Mich sozusagen zu „dekorieren“, oder Farben aufzulegen fand ich immer mehr sehr beschwerlich. Also ließ ich es sein … jahrelang.

Jetzt aber bewegt mich der Anfang der Therapie dazu, mir etwas Gutes zu tun bzw meine Ärztin sagte, dass ich das herausfinden soll, was etwas Gutes für mich ist. Und das Schminken gehört da definitiv dazu.

Auf der Station angekommen wurde ich von einer Krankenschwester nicht mehr erkannt. Hihi! War so ein richtiger Wow-Effekt. Die Frisur kam bei den Mitpatientinnen recht gut an. Eigentlich hätte ich mich lieber versteckt, da mir die ungewohnte Aufmerksamkeit sehr peinlich und unangenehm war, innerlich. Aber da musste ich durch. Das hatte ich selbst angezettelt. ;)

—–

Das war’s für heute!
Ich wünsche euch allen einen schönen Abendausklang.
Ich lasse diesen Abend buchstäblich ausklingen mit…

Katie Melua, Spiders Web

Gute Nacht und schlaft gut!
Alles Liebe von eurer
Sophie
:)


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THERAPIE

THERAPIE 3.19 – Lob und ICH

 

Hallo Ihr Lieben!

Nun ist etwas Zeit vergangen seit meinem letzten Beitrag.

Ich bin seit gestern auf der Psychotherapiestation. Konnte mich endlich soweit stabilisieren, dass ich hierher kommen konnte.

Und es ging gleich so richtig los. Die Ärztin, die Therapeuten, die Schwestern wollen mich kennen lernen. Ich schaffte es jeweils in knapp einer Stunde einen fragmentarischen Abriss meines Lebens bzw meiner Erlebnisse zu formulieren. Und das muss man am Anfang durchlaufen. Es ist sehr aufreibend für mich. Meine Nerven liegen blank.

In der Achtsamkeitsgruppe um 8.30 Uhr wurden wir aufmerksam gemacht, dass der Mensch Lob braucht. Wir mussten unserem rechten Sitznachbarn ein Lob aussprechen, etwas, was uns an ihm gefiel bzw was man als besonders empfindet sollten wir ihm sagen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man die Mitpatienten noch nicht kennt.

Ich habe mich so konzentriert auf das, was ich meiner Sitznachbarin sagen wollte, dass ich komplett vergessen habe, wofür mich mein linker Sitznachbar gelobt hat, oder was er an mir Positives fand. Schrecklich! Das geht gar nicht! Aber es ist so und hat mir gezeigt, wo ich stehe. Und zwar bin ich meistens im Menschen, der mir gegenüber ist. Sobald ich unter Menschen bin, starten meine „Chamäleon-Eigenschaften“. Das heißt, ich umschließe die jeweilige Person mit meinen Armen, nehme seine „Farbe“ an, bzw versuche ich das zumindest. Ich versuche vehement zu erspüren, was der andere von mir erwarten könnte, oder was ihm Freude machen könnte. Und ich versuche das dann zu geben.

Am Nachmittag hatte ich ein Gespräch mit meiner Therapeutin. Danach stand ich total neben mir und musste so heulen, ich konnte gar nicht mehr aufhören damit. Der Grund dafür war, dass sie mir sagte, ich solle mich während der Therapie nur auf mich konzentrieren und ich sollte keinen Kontakt zu den Täterpersönlichkeiten haben. Ich hatte seit einigen Tagen eine telefonische Verbindung zu einem der Täter. Er hatte mir geschrieben und ich rief ihn an. Total verrückt! Geht auch gar nicht!

Die Therapeutin erklärte mir, warum kein Kontakt so wichtig sei. Eben weil ich mich auf mich konzentrieren soll und ein Kontakt in Täterrichtung die Therapie schwer beeinträchtigen würde.

Ich habe dann den Täter angerufen und mich von ihm verabschiedet. Seine Reaktion war total unerwartet. Er sagte, er würde das verstehen und ich solle mich nur auf mich konzentrieren und er wünsche mir alles Gute.

Total baff war ich! Alles hätte ich erwartet, nur nicht so was. Mir war nur mehr zum Heulen. Eigentlich hätte ich mich vielleicht freuen sollen, darüber dass da so viel Verständnis rüber kam, aber vielleicht ist es von ihm auch nur eine Taktik, mich zu gewinnen. Ich weiß einfach nicht, was da genau passiert war… jedenfalls war die Verwirrung perfekt…

Ich holte mir Hilfe bei der Stationsschwester, obwohl ich da große Zweifel hatte, dass das ein richtiger Schritt wäre. Aber es war der richtige Schritt, sie bestätigte mir das. Und sie erklärte mir den Hintergrund, warum so ein Kontakt während der Therapiephase nicht sein darf.

Ich sollte mich auf mich allein konzentrieren (ich wiederhole mich). Ich sollte zu mir kommen. Ich sollte ganz ins Hier und Jetzt kommen. Das wiederholte sie mehrmals, sodass es auch bei mir ankommen konnte.

Nach dem Gespräch habe ich versucht, wenigstens einige Momente das zu erreichen … nicht in der Vergangenheit, nicht in einem anderen Menschen, ganz im jetzigen Moment zu sein. Leider klappte das überhaupt nicht. Ich spür(t)e mich nicht.

Im Moment bin ich ganz durcheinander. Ich habe Musik im Ohr, Vangelis untermauert mein trauriges inneres Befinden. Ja, traurig bin ich, sogar sehr, fast übermächtig ist die Traurigkeit. Sie bemächtigt sich meiner und begräbt mich unter sich. Wo ist mein ICH? Gibt es das überhaupt? Ist es da, und ich muss es nur finden, oder muss ein ICH erst entwickelt werden?

Viele viele Fragen, die ich gerne beantwortet hätte…

Aber ich bin sicher richtig hier auf der Psychotherapiestation. Ich hoffe, dass ich Antworten finden werde…

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Oh, wollte gar nicht so viel schreiben. Jedenfalls sage ich danke fürs Lesen bis hierher.
Habt noch eine gute Nacht.
Morgen ist ein neuer Tag, ein Neubeginn ist wieder möglich!

Alles Liebe
von Eurer
Sophie

 


THERAPIE – Übersicht


 

THERAPIE

THERAPIE 2.19 – Freiheit und Mut

Hallo Ihr Lieben!

Da es mir wieder ziemlich schlecht ging (ich hatte eine gemischte bipolare Phase), bin ich seit letzten Sonntag wieder in der Klinik. Ich zitterte am ganzen Körper und konnte mich nicht mehr still halten, als ich wieder aufgenommen wurde. Meine Ärztin setzte daraufhin meine Antidepressiva herab und ich bekam mehr Schlafmittel (2 Dominal 80, 1 Trittico 150, 1 Buronil 25, 1 Zoldem). Seit dieser Medikation (seit gestern) kann ich wieder einigermaßen schlafen. Ich schlafe gut ein und schlafe dann bis 4.30 oder 5.00 Uhr. Da bin ich sehr froh darüber, habe ich doch in letzter Zeit oft nur zwei bis drei Stunden geschlafen.

Die Aufnahme an der Psychotherapiestation hat sich von 2. Mai auf 13. Mai verschoben.

Habe endlich meinen Computer im Krankenhaus aufgebaut, damit ich wieder schreiben kann. Habe grade große Lust zu schreiben, dieses imaginäre weiße Blatt mit Buchstaben zu verzieren.

Ein Thema das mich im Moment sehr beschäftigt ist, was ich doch für eine Freiheit gewonnen habe. Doch was fange ich nun an mit dieser Freiheit. Ich weiß nicht wohin mit mir. So viele Interessen wären da, aber ich habe keinen Plan. Fange das eine an, um gleich wieder zum anderen zu springen und das auch gleich wieder als fade zu empfinden. Ein neues Spielzeug muss her. Meine Bücher sind meine Lebensbegleiter. Die große Auswahl macht es im Moment für mich unmöglich, mich zu entscheiden.

Ist das so, wenn man die absolute Freiheit empfinden kann? Dass man dann nicht mehr weiß wohin damit? Das ist es nämlich, ich habe das Gefühl absolute Freiheit zu empfinden. Ich kann machen was ich will. Ich darf ich sein, ohne Einschränkung. Und doch, weiß ich nicht, wie ich ich sein kann. Eine große Leere macht sich in meinem Inneren breit.

Dabei müsste ich ja sehr zufrieden und glücklich sein. Es haben ausnahmslos alle Vorhaben, die ich im letzten halben Jahr in Angriff genommen habe, geklappt. Jetzt ist alles in Ordnung, mein Leben verläuft in geordneten Bahnen. Ich bin sparsam und lebe zurückgezogen. Einziges nach außen Gehen mache ich, wenn ich zum Kommunikationszentrum gehe.

Hier trifft man viele Menschen, gesunde, angeschlagene und psychisch kranke Menschen. Bei Kaffee und Kuchen lernt man sich ein stückweit kennen. Wobei Nähe fast nicht zugelassen wird. Und wenn man denkt, man ist jemandem näher gekommen, ist es bei der nächsten Begegnung wieder ganz anders, ja fast kühl. Und trotzdem zieht es mich dort hin. Ja, ich möchte auch dem Gegenüber diese Maß an Freiheit zugestehen, das ich habe.

Dadurch, dass ich bei den Zeugen Jehovas ausgetreten bin, habe ich meinen gesamten Freundeskreis verloren, da ein richtiger Zeuge Jehovas nicht in Kontakt treten darf mit „Ausgeschlossenen“. Ja, das bin ich, eine „Ausgeschlossene“ aus einer Gemeinschaft. Es tut etwas mit mir, dieses Gefühl, das das im Draußen sein begleitet. Es fühlt sich schlimm an und nagt in meinem Inneren. Aber andererseits bin ich froh im Draußen, da dort die unendliche Freiheit noch auf mich wartet bzw schon ein bisschen da ist.

Wie geht es Euch mit dem Freiheitsgedanken? Ist es überhaupt möglich absolute Freiheit zu empfinden, zu spüren? Ich habe dieses unendliche Gefühl der Freiheit in mir, so empfinde ich es zumindest. Aber ich denke, es braucht auch viel Mut, sich in diese empfundene Freiheit zu begeben, in ihr einzutauchen und aus ihr heraus Entscheidungen zu treffen.

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Also, alles Liebe euch allen da draußen und ganz lieben Dank für euer Vorbeikommen hier. Eure Kommentare bereichern mich so und bringen mich oft auf Gedanken, die ich von mir aus nicht denken kann. Herzliches Dankeschön dafür!

Alles Liebe von eurer
Sophie


THERAPIE Übersicht


 

ZITATE

ZITAT 5.19 – Gotthold Ephraim Lessing

 

Hallo Ihr Lieben!

Durch meinen geplanten Klinikaufenthalt kommt mein Zielekonzept ganz schön durcheinander.

Das habe ich nämlich, einen ausformulierten Zieleplan. Ich habe Tagesziele, Monatsziele und Jahresziele. Gestern, beim Zitate-Stöbern, fand ich dazu diesen schönen Spruch:20190427_lessing_langsam

Viele Menschen jagen durch das Leben. Beispielsweise arbeiten sie für den Lebensunterhalt auf Hochtouren, dasselbe gilt bei der Hausarbeit. Und dann schnell in den Urlaub mit Ansehen von Städten, Bergextremen oder noch schnell den Kick holen beim Mountain-Biking. Sie schwimmen schnell ein paar Runden durch die animationshungrigen Menschen im Swimming-Pool um sich dann fertig zu machen fürs Abendessen wo sie das Buffet stürmen und sich dann noch die Nacht um die Ohren schlagen…

„Langsam“ in so einer hektischen Welt – ist das noch möglich?

Nun sage ich mal rundheraus: „Ja!“

Ich habe vor einiger Zeit der Langsamkeit in meinem Leben Einzug gewähren lassen. Begonnen habe ich damit, dass ich bei meinen täglichen Gängen umschaltete auf einen ganz kleinen Gang. Anfangs glaubte ich, die Welt drehte sich ohne mich fort und ich sähe nur zu, wie alles an mir vorbeischwirrt. Es ist nämlich nicht einfach, buchstäblich langsamer zu gehen, als der Strom fließt. Bis ich sogar oft stehen blieb und mich umsah und dann wieder langsam weiterschritt. Ein Fuß vor den anderen.

Ich bemerkte so, dass es nur auf mich selbst ankommt. Schnell und hektisch, das geht gut. Aber langsam, das ist schon eine Herausforderung. Und dann auch noch Ziele erreichen – mit Langsamkeit?

Lessing bringt es auf den Punkt.

Ich übte und übte und kann schon auf ein bisschen Langsamkeit in meinem Leben zurückblicken. Immer wieder gerate ich ins „hudeln“, aber ich versuche dran zu bleiben.

Das Zwischenergebnis:

Was ich schon bemerke, ist, dass ich mich mit meiner Langsamkeit einfach „out“ fühle oder nicht mehr zugehörig zu dieser Welt.

Ich tauche aber auch ein in eine besondere Welt. In eine Welt der Stille, der Aufmerksamkeit, der Beobachtung und Behutsamkeit. Und die Worte Lessings geben mir die Zuversicht, auch so meine Ziele zu erreichen…

—–

Geht es euch auch manchmal so wie mir?…

Ich wünsche euch allen in diesem Sinne ein „langsames“ oder „langsameres“ Wochenende mit viel Gemütlichkeit und Ruhe.

Alles Liebe von eurer
Sophie


ZITATENSAMMLUNG


© Sophie Atheo
THERAPIE

THERAPIE 1.19

 

Hallo Ihr Lieben!

Seit fünf Tagen bin ich wieder zu Hause vom Krankenhaus.

Da mich vor zirka einem Monat eine schwere Depression einholte, brauchte ich wieder ärztliche Hilfe. Es war doch etwas viel gewesen im letzten halben Jahr. Deshalb machte ich auch eine Blogpause.

Der Klinikalltag hatte mich so im Griff, dass ich mich jetzt in meinem für mich noch immer neuen Heim erst zurechtfinden muss. Für dieses Zurechtfinden habe ich bis 2. Mai ein wenig Zeit. Dann starte ich in eine zwölfwöchige stationäre Psychotherapie bzw Traumatherapie. Ich bin sehr gespannt, was da alles auf mich zukommt. Ich werde berichten.

Einige therapeutische Ansätze konnte ich schon in den letzten Wochen erfahren. Ich wurde unter anderem der Musik-Therapie zugeteilt. Ich allein, nicht in der Gruppe. Mit großer Angst ging ich zur ersten Stunde. Einzeltherapie ist schon heftig und dann auch noch Musiktherapie.

Musik … das ist so eine zweigeteilte Sache bei mir. Einerseits höre ich gerne Musik, sehr gerne markante Frauenstimmen. Andererseits habe ich selbst mal Musik gemacht. Als Kind durfte ich das Zitherspiel erlernen, Akkordeon und ein bisschen Klavier habe ich mir selbst beigebracht. Mein Vater spielte mit der Gitarre zu meinem Zitherspiel und auch ein Bekannter gesellte sich mit seiner Gitarre zu uns. Wir durften bei Hochzeiten für Tischmusik sorgen…

…damals…

…als die Ehe meiner Eltern auseinanderbrach – ich war gerade siebzehn geworden – beendete das auch unsere kleine Musiziergemeinschaft. Da das so abrupt passierte, konnte ich nicht mehr fröhlich meine Instrumente spielen. Im Gegenteil, es machte mich sehr traurig. Ich entschloss mich der Musik in dieser Form den Rücken zu kehren und das hielt ich bis vor einem Monat so.

Nun in der Musiktherapie bot mir die Therapeutin einen neuerlichen Zugang zum Musizieren.

In dem Therapiezimmer gab es zahlreiche Instrumente. Abgesehen von einer Anzahl von Trommeln und Xylophonen stand da auch ein Klavier. Ich sollte nun ein Instrument auswählen. Die Trommeln waren mir zu laut (obwohl man die auch leise spielen kann). Aus dem anderen Fundus kam kein Instrument in Frage, so entschied ich mich für das Klavier.

Auf die Bitte, einfach so das Klavier zum Klingen zu bringen, strich ich zuerst ganz leise mit meinem Zeigefinger über die Tasten, ohne sie zu drücken. Ich musste mich erst wieder annähern bzw meine innere Blockade abbauen … und ich strich ein zweites Mal über die Tasten, dieses Mal mit der ganzen Hand. Kühl fühlten sie sich an. Da lagen sie vor mir, die Weißen und die Schwarzen.

Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und drückte eine weiße Taste. Dann eine weitere und wieder eine. Plötzlich hatte ich eine Melodie im Kopf und dann ging alles sehr schnell. Das Musikstück, das aus meinen Händen erklang war „Brüderlein fein“. Und das war sehr passend, da ich meinem Bruder gegenüber eine große Dankbarkeit für seine Hilfe fühle. Das war zu viel für mich und die Tränen rannen mir über das Gesicht. Ein Gefühlsschwall überkam mich und ich hörte auf zu spielen. Ich weinte mich aus.

Dann saßen wir da, in der großen Stille, die noch durchflutet war von den weichen Tönen des Liedes.

Der Anfang war gemacht, der Bann gebrochen.

 

Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, ich bin psychisch krank, ich leide an einer „Bipolaren Störung mit psychotischen Symptomen und schweren depressiven Episoden“ genau heißt es „Bipolar affektive Psychose“ bzw an einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“.

Warum schreibe ich das jetzt plötzlich so klar und deutlich?

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, über (meine) psychische(n) Krankheiten und die damit verbundene Stigmatisierung aufzuklären. Oft wurde ich schon in die Ecke gedrängt, „die hat ja nicht alle Tassen im Schrank“. Oft schon habe ich mitbekommen, wie über Menschen, die einmal in der Psychiatrie gewesen waren, geredet wurde. Und da kam nichts Schönes. Ich habe aber auch erfahren, wenn ich in Gesprächen mit gesunden Menschen von meinen Krankheiten erzähle und Einblicke gewähre, dass großes Verständnis rüber kommt.

Mit dem Titel THERAPIE starte ich nun einen neuen Themenbereich. Das tue ich auch deshalb, weil ich in meinem Blog authentisch bleiben will und das geht nur, wenn ich über das was mich bewegt schreiben kann, besonders in nächster Zeit.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und viel Kraft fürs Leben!

Eure

Sophie


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