LITERATURKUNDE, WORTE

LITERATURKUNDE 4.18 – Der Begriff „deutsch“

Hallo ihr lieben Wissensjunkies!

Bevor ich mehr in die DEUTSCHE LITERATURKUNDE eintauche, möchte ich erst einmal dem Begriff „deutsch“ ein klein wenig auf den Grund gehen:


20180101_deutsch_rot.jpgDas Adjektiv deutsch ist vor dem 11. Jahrhundert entstanden. Im Althochdeutschen hieß es diutisc oder thiutisc und im Mittelhochdeutschen tiutsch oder diut(i)sch.

Thiutisk war ein allgemeiner Begriff, der für alle Dialekte gebraucht wurde und sich beim Entstehen einer deutschen Gemeinsprache als Bezeichnung angeboten hat. [3]

Das Adjektiv deutsch bedeutet „zum Volk gehörig“. Es kann aber auch (in abwertender Weise) „nur zum Volk gehörig“ oder „auf die Volkssprache beschränkt“ bedeutet haben [1]. Der Gegensatz zu dieser Volkssprache bildete das Latein. Nur die Geistlichen und Gebildeten waren des Lateins mächtig.

„Für sie könnte deutsch ein abfälliger Ausdruck für die bäuerliche und ungebildete Bevölkerung gewesen sein.“ [2]

Laien konnten in der Regel gar nicht lesen und schreiben.

Die erste schriftliche Erwähnung des deutschen Sprachnamens theodisce (= Volkssprache), die heute bekannt ist, erfolgte 786 in einem Brief Wigbods (Kaplan von Karl dem Großen) an den Papst.

788 ist in den Reichsannalen betreffend den Reichstag von Ingelheim zum ersten Mal von der „deutschen Sprache“ die Rede: theodisca lingua. Mit diesem Begriff war zu diesem Zeitpunkt die germanische Volkssprache gemeint.

Die erste althochdeutsche Form von deutsch, diutisk, wird zum ersten Mal in Glossen aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts erwähnt.

Die Geschichte des Wortes deutsch ist einzigartig. Florian Fix fasst in seiner Masterarbeit (siehe unten „Quellen“) wie folgt zusammen:

„Im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern, in denen der Sprachname erst sekundär aus alten Stammes- oder Ländernamen entstand, wurde der deutsche Sprachbegriff zuerst entwickelt. Die Bedeutung war anfangs eine andere; deutsch wurde im Sinne von „Nicht-Latein“, „völkisch“, „Volkssprache“ verwendet. Nur langsam wurde die Bedeutungsspanne des Begriffs immer weiter eingeschränkt, bis er schließlich nur noch die deutsche Sprache bezeichnete und auf Land und Leute übertragen werden konnte.“ [1]


Quellen

[1] Florian FIX, Herkunft und Geschichte des Wortes ‚deutsch‘. GRIN Verlag, Open Publishing GmbH, 2002. Zu finden unter https://www.grin.com/document/6139 – Eingesehen am 1.1.2018.

[2] siehe FN 1, S 4, Abs 5.

[3] Ernst und Erika von BORRIES, Deutsche Literaturgeschichte, Band 1 „Mittelalter . Humanismus . Reformationszeit . Barock“. dtv, München, 2. Auflage 1992. S 18, Abs 4.

Horst Dieter SCHLOSSER, dtv-Atlas, Deutsche Literatur. dtv, München, 11. Auflage 2010. S 33.

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_(Etymologie) Eingesehen am 1.1.2018.

https://www.welt.de/print-welt/article558705/Deutsch-Wer-im-Grenzgebiet-nicht-Romanisch-sprach-war-thiudisk.html Eingesehen am 1.1.2018.


 

Ganz interessant, was bei ein bisschen Nachforschen so alles zutage kommt.
Wer mehr wissen will, vor allem auch über den Geschichtshintergrund, dem empfehle ich die oben erwähnte Masterarbeit von Florian Fix.

Ich wünsche euch noch einen schönen Restfeiertag und verbleibe
mit herzlichen Grüßen
Sophie

Advertisements
LITERATURKUNDE

LITERATURKUNDE 3.17 – Der ABROGANS – Die früheste deutsche Überlieferung (Beginn der Althochdeutschen Literatur)

Hallo ihr lieben Buchnerds!

Ich habe nun lange hin und her überlegt und viel abgewägt, wie und womit ich hier in das Thema Deutsche Literaturgeschichte einsteigen soll. Die Entscheidung fiel dann darauf, erst mal über die früheste deutsche schriftliche Überlieferung, die noch existiert, zu berichten.

*****

Es handelt sich dabei um die sogenannte

ABROGANS-Handschrift oder auch
ABROGANS CODEX genannt.

Dieses „erste deutsche Buch“ ist eine Abschrift eines lateinisch-althochdeutschen Glossars oder Synonymwörterbuches. Es ist das älteste erhaltene Buch in deutscher Sprache, das laut dem Germanisten em. Univ.-Prof. Dr. Karl-Heinz Göttert (Uni Köln) um 780 entstanden ist. Aufbewahrt wird das Buch in der Stiftsbibliothek von St. Gallen (Codex Sangallensis 911). Es ist fast vollständig erhalten und besteht aus 143 Fragmenten. Weitere davon gibt es in der Pariser Nationalbibliothek (9), in der Landesbibliothek Karlsruhe (15) und seit 2012 auch in der Bibliothek des Benediktinerklosters in Admont in Österreich (2, siehe https://www.welt.de/kultur/article164539142/Das-aelteste-deutsche-Buch-hat-zwei-neue-Seiten.html).

Dieses Wörterbuch enthält eine Liste von ca 4000 lateinischen Wörtern. 2000 schwierige lateinische Wörter (vor allem biblisches Latein) werden 2000 anderen gängigeren oder volkstümlichen lateinischen Wörtern gegenübergestellt. Also Latein neben Latein. Der Verfasser hat dann neben die lateinischen Wörter deren deutsche Entsprechung gesetzt, das sind fast 4000 deutsche Wörter (Beispiele davon gibt es hier aufgelistet). Zum Schluss war ihm noch etwas Platz geblieben, deshalb schrieb er noch das gesamte Vaterunser in Deutsch auf – die erste Fassung, die es gibt.

„Der Abrogans bietet ein gewaltiges Material für die Sprachwissenschaft, das bis heute noch nicht vollständig ausgewertet ist. So gibt es etwa 700 Wörter, die sonst in keinem anderen althochdeutschen Werk mehr auftauchen.“  (https://de.wikipedia.org/wiki/Abrogans#cite_note-1)

Hier nun Fotos von dieser Handschrift, die ich auf e-codices.unifr.ch gefunden habe:

Abrogans ist nicht der originale Titel des Buches. Diesen Namen erhielt es nach dem ersten Wort der Liste (abrogans = humilis/bescheiden, demütig).

Lina Sahne von kunstplaza.de schreibt dazu: „Manchmal ist auch vom Keronischen Wörterbuch die Rede weil der Benediktinermönch Kero als Verfasser gilt. Das ist aber schon wieder nicht ganz sicher, auch der Südtiroler Geistliche Arbeo von Freising könnte der Verfasser sein. Fast einig ist man sich auf jeden Fall darüber, dass der Abrogans im altbairischen Bistum Freising entstand, das eben diesem Arbeo unterstand, der dort von 764 bis 783 Bischof war.“ (http://www.kunstplaza.de/kunstwerke/der-abrogans-unser-erstes-deutsches-buch/)

*****

So … ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen.
Ich wünsche euch noch einen schönen Tag mit möglichst vielen Lesestunden und verbleibe mit herzlichen Grüßen
Eure
Sophie

 


Quellen:

 

LITERATURKUNDE

LITERATURKUNDE 2.17 – Epochenüberblick

Hallo ihr lieben Leute!

Ich habe nun hier auf meinem Blog eine eigene Rubrik mit statischen Seiten mit der Überschrift LITERATURKUNDE geschaffen. Dort werde ich den Inhalt meiner laufenden Beiträge verzeichnen und übersichtlich darstellen. Eine Grundeinteilung in folgende Bereiche ist bereits verfügbar:

  1. Einführung in die deutsche Literaturkunde
  2. Epochen und Strömungen der deutschen Literatur
  3. Arbeitstechniken
  4. Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung
  5. Quellen

Meine Beiträge ordne ich dann dem jeweiligen Kapitel zu.

Hier nun mein erster „Wissensbeitrag“ zum Thema LITERATURKUNDE:

2.1 Epochenüberblick

Die folgende Grafik habe ich in einer Grundausführung auf Wikipedia und auf literaturwelt.com gefunden. Ich habe sie in Word neu gezeichnet, modifiziert und um einige Daten ergänzt:

20171210_grafik_literaturepochenDiese Grafik stelle ich auch hier als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung:

Epochenüberblick.pdf

Sie hat mir bisher schon sehr beim Ein- und Zuordnen von deutscher Literatur geholfen. Ich hoffe, dass sie euch auch als Unterstützung dient beim künftigen Wissensaufbau. Viel Freude damit!

Das wär’s für heute – ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag-Nachmittag…

Eure
Sophie