THERAPIE

THERAPIE 1.19

 

Hallo Ihr Lieben!

Seit fünf Tagen bin ich wieder zu Hause vom Krankenhaus.

Da mich vor zirka einem Monat eine schwere Depression einholte, brauchte ich wieder ärztliche Hilfe. Es war doch etwas viel gewesen im letzten halben Jahr. Deshalb machte ich auch eine Blogpause.

Der Klinikalltag hatte mich so im Griff, dass ich mich jetzt in meinem für mich noch immer neuen Heim erst zurechtfinden muss. Für dieses Zurechtfinden habe ich bis 2. Mai ein wenig Zeit. Dann starte ich in eine zwölfwöchige stationäre Psychotherapie bzw Traumatherapie. Ich bin sehr gespannt, was da alles auf mich zukommt. Ich werde berichten.

Einige therapeutische Ansätze konnte ich schon in den letzten Wochen erfahren. Ich wurde unter anderem der Musik-Therapie zugeteilt. Ich allein, nicht in der Gruppe. Mit großer Angst ging ich zur ersten Stunde. Einzeltherapie ist schon heftig und dann auch noch Musiktherapie.

Musik … das ist so eine zweigeteilte Sache bei mir. Einerseits höre ich gerne Musik, sehr gerne markante Frauenstimmen. Andererseits habe ich selbst mal Musik gemacht. Als Kind durfte ich das Zitherspiel erlernen, Akkordeon und ein bisschen Klavier habe ich mir selbst beigebracht. Mein Vater spielte mit der Gitarre zu meinem Zitherspiel und auch ein Bekannter gesellte sich mit seiner Gitarre zu uns. Wir durften bei Hochzeiten für Tischmusik sorgen…

…damals…

…als die Ehe meiner Eltern auseinanderbrach – ich war gerade siebzehn geworden – beendete das auch unsere kleine Musiziergemeinschaft. Da das so abrupt passierte, konnte ich nicht mehr fröhlich meine Instrumente spielen. Im Gegenteil, es machte mich sehr traurig. Ich entschloss mich der Musik in dieser Form den Rücken zu kehren und das hielt ich bis vor einem Monat so.

Nun in der Musiktherapie bot mir die Therapeutin einen neuerlichen Zugang zum Musizieren.

In dem Therapiezimmer gab es zahlreiche Instrumente. Abgesehen von einer Anzahl von Trommeln und Xylophonen stand da auch ein Klavier. Ich sollte nun ein Instrument auswählen. Die Trommeln waren mir zu laut (obwohl man die auch leise spielen kann). Aus dem anderen Fundus kam kein Instrument in Frage, so entschied ich mich für das Klavier.

Auf die Bitte, einfach so das Klavier zum Klingen zu bringen, strich ich zuerst ganz leise mit meinem Zeigefinger über die Tasten, ohne sie zu drücken. Ich musste mich erst wieder annähern bzw meine innere Blockade abbauen … und ich strich ein zweites Mal über die Tasten, dieses Mal mit der ganzen Hand. Kühl fühlten sie sich an. Da lagen sie vor mir, die Weißen und die Schwarzen.

Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und drückte eine weiße Taste. Dann eine weitere und wieder eine. Plötzlich hatte ich eine Melodie im Kopf und dann ging alles sehr schnell. Das Musikstück, das aus meinen Händen erklang war „Brüderlein fein“. Und das war sehr passend, da ich meinem Bruder gegenüber eine große Dankbarkeit für seine Hilfe fühle. Das war zu viel für mich und die Tränen rannen mir über das Gesicht. Ein Gefühlsschwall überkam mich und ich hörte auf zu spielen. Ich weinte mich aus.

Dann saßen wir da, in der großen Stille, die noch durchflutet war von den weichen Tönen des Liedes.

Der Anfang war gemacht, der Bann gebrochen.

 

Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, ich bin psychisch krank, ich leide an einer „Bipolaren Störung mit psychotischen Symptomen und schweren depressiven Episoden“ genau heißt es „Bipolar affektive Psychose“ bzw an einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“.

Warum schreibe ich das jetzt plötzlich so klar und deutlich?

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, über (meine) psychische(n) Krankheiten und die damit verbundene Stigmatisierung aufzuklären. Oft wurde ich schon in die Ecke gedrängt, „die hat ja nicht alle Tassen im Schrank“. Oft schon habe ich mitbekommen, wie über Menschen, die einmal in der Psychiatrie gewesen waren, geredet wurde. Und da kam nichts Schönes. Ich habe aber auch erfahren, wenn ich in Gesprächen mit gesunden Menschen von meinen Krankheiten erzähle und Einblicke gewähre, dass großes Verständnis rüber kommt.

Mit dem Titel THERAPIE starte ich nun einen neuen Themenbereich. Das tue ich auch deshalb, weil ich in meinem Blog authentisch bleiben will und das geht nur, wenn ich über das was mich bewegt schreiben kann, besonders in nächster Zeit.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und viel Kraft fürs Leben!

Eure

Sophie


THERAPIE Übersicht


 

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50 Gedanken zu „THERAPIE 1.19“

  1. Wünsche dir weiterhin viel Kraft und Geduld. Ich sollte auch eine Reha machen, 6 Wochen ist mir im Moment aber einfach zu lange, zu lange weg von zu Hause, der Höhle, meinem Schutzumfeld ;-) hatte im Sommer vorigen Jahres Burnout mit Depressionen,..kann also auch einiges nachvollziehen. Das nun der Bezug zur Musik wiederkommt, finde ich toll, wenn es dir gut tut, war das nun was einmaliges, auch gut. Drück dich und danke für deine Offenheit. Glg Herta

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    1. Liebe Herta, vielen lieben Dank für deine guten Wünsche. Ja, Kraft und besonders Geduld ist jetzt bei mir gefragt.
      Das tut mir leid, dass es dich auch mit Burn-Out und Depressionen erwischt hat.
      Was eine Reha betrifft, ich kann das nur empfehlen. Ich habe vor längerer Zeit auch eine Reha gemacht und ich habe sehr profitiert davon. Nun stehe ich vor der Traumatherapie, habe Angst und alle möglichen Gefühle, aber ich bin mir sicher, dass ich nach der Therapie mit großen Bereicherungen nach Hause gehe.
      Ich drück dich auch!
      Ganz lieben Gruß von Sophie :)

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      1. Danke dir. Das hört sich doch gut an mit deinen Erfahrungen der letzten Reha. Hatte ja auch schon drei x Reha hinter mir, und dort war es wie in einem 5*Hotel. Einzelzimmer, nur 7Personen im Haus, Therapien und Mahlzeiten ebenfalls im selben Haus, freundlichst, kompetent. Doch für 3 Wochen, (andere Diagnose ), doch bei 6 Wochen würde ich im Moment die Krise bekommen. Glaub, ich hatte damals auch einige Zeilen und Fotos zum Aufenthalt geloggt. Drück dich Glg Herta

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  2. Nehmen Sie Ihre Angst getrost mit in die Klinik und zeigen Sie ihr die Musik. Möge die Zeit dort aufschlussreich werden.

    Ein offener Umgang mit Themen wie psychischen Erkrankungen, eine Aufklärung, wirkt auf natürliche Weise der Stigmatisierung entgegen. Am Anfang stehen leider häufig heftige Gegenreaktionen, wie ja auch an anderen Beispielen zu sehen ist (Radikalisierungen aller Art und weltweit als Reaktion auf Emanzipationsbewegungen aller Art und Bestrebungen hin zu offenen und pluralistischen Gesellschaften). Je weniger Aufklärung über ein Thema, je weniger verbreitet und je weniger offen der Diskurs darüber, desto stärker der Gegenwind. Je stärker der Gegenwind (vor allem am Anfang), desto eher verzagt eine Einzelperson und läuft Gefahr, zum Schweigen zurückzukehren. Daher thematisiere ich diese Dinge auch offen. Um es anderen leichter zu machen und den Boden zu bereiten.
    Ähnliches tat ein Verlag kürzlich, als er eine Anthologie namens „Dunkle Ziffern“ herausgab. Die darin enthaltenen Geschichten geben jenen eine Stimme, die in unserer Gesellschaft noch viel zu häufig zum Schweigen verdammt sind, weil der Gegenwind zu groß ist. Opfer von Sexualstraftaten, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen, die aus der Trauer über einen Verlust nicht herausfinden. Die Autor*innen tun dasselbe wie Sie und ich: Sie bereiten einen Boden, auf dem andere sicherer wandeln können.

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  3. Alles Liebe und Gute Dir, vor allem viel Kraft. Ich sollte zur Gesprächstherapie, hab erstens noch gar keinen Platz, und zweitens gar keine Kraft, schon lange hab ich diese nicht mehr. Für mich ist es wichtiger, jetzt immer Essentielles zu lösen, damit ich trotzdem Schritt für Schritt weiterkomme. Aber Du hast ja doch schon sehr viel auf die Beine gestellt, das schaut gut aus, daraus wird was! ☀️ Bussi, ich schließe Dich in meine Arme. :-)

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  4. Uff ! Es gibt die Sophie noch… Hatte schon Angst, man weiss ja nie und ich denke es ist berechtigt, das Leben ist gefährlich.

    Das mit dem Klavier, das berührt mich jetzt. Ich muss manchmal auch weinen wenn ich darauf spiele, gewisse Melodien dringen einfach in’s Herz ♥️

    Schön dass du noch hier bist !!! :)
    LG Joe

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  5. Gut, von dir zu lesen, und dass es, trotz (oder gerade weil) Therapiebedarf dringlich wurde, solches Voraanschreiten gibt: deine Wiederbegegnung mit der Musik hast du sehr anrührend beschrieben, wie eine sich öffnende Tür, hinter der es hell ist, nicht, wie befürchtet, dunkel.
    Das ist schon etwas Besonderes, wie du einerseits von dir ganz persönlich erzählen, und zugleich durch deine Erklärungen einen weiteren Bogen schlagen kannst, über die persönlichen Gründe zu den allgemeineren Grundlagen der Störungen, mit denen du immer wieder konfrontiert wirst.

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  6. Hallo Sophie :) toll dass du dich traust so offen alles zu kommunizieren….es hilft vielleicht andere diese Krankheit wirklich zu verstehen und Betroffene vielleicht zu vermitteln dass sie nicht alleine sind und dass es Lösungen gibt!
    Danke für deinen Mut!!
    Und gute Besserung für dich :) 😘

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  7. Hallo Sophie.
    Schön dich wieder hier zu sehen.
    Ich finde es gut dass du so klare Worte findest und uns etwas über deine Erkrankung zu berichten.
    Anfang des Jahres habe ich das Hörbuch von „Thomas Melle – Die Welt im Rücken“ gehört. Er hat auch die bipolare Störung und darüber erzählt. Es ist schon sehr umfassend was diese Erkrankung mit einem macht.
    Ich wünsche dir alles Gute für die Therapie Stunden.
    LG, Nati

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  8. Alles Gute! Ich kenne ja auch den Weg aus einer psychischen Erkrankung (massive Angststörung) Er kostet viel Kraft, er gibt aber auch viel Kraft. Wenn mich heute jemand auf diese Zeit der ambulanten Therapie anspricht – es waren sechs Jahre – und von einer schweren Zeit spricht, antworte ich ihm… Eine Krise ist Mist, aber Mist ist auch ein vorzüglicher Dünger. :-) Liebe Grüße Torsten

    Gefällt 2 Personen

  9. Meine Liebe, alles so wie Du es für Dich machst ist gut.
    Ich leide auch an Depressionen und kämpfe damit. Die letzten 2 Jahre so sehr, dass ich keine Kraft habe. Gestern war ich nach 2 Jahren mal wieder zu einem Mädelabend, sie wissen dass ich krank bin, doch richtig verstehen tut man es nicht, weil man es nicht sieht.
    Musik ist toll, ich mag auch markante Frauen Stimmen, also nur so 2-3 Frauen stimmen. In meiner Therapie habe ich Trommeln genommen.
    Ich drücke Dir die Daumen.
    Alles so wie Du den Tackt gibst, so soll es für Dich sich richtig anfühlen.

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    1. Ganz lieben Dank für deine einfühlsamen Worte. Ich verstehe dich gut, was deine Depressionen betrifft. Ja, man sieht es nicht.
      An die Trommeln trau ich mich noch nicht heran. Im Moment suche ich viel mehr die leisen Töne und die Stille.
      Danke fürs Daumendrücken.
      Alles alles Liebe von Sophie :)

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