ZITATE

ZITAT 5.19 – Gotthold Ephraim Lessing

 

Hallo Ihr Lieben!

Durch meinen geplanten Klinikaufenthalt kommt mein Zielekonzept ganz schön durcheinander.

Das habe ich nämlich, einen ausformulierten Zieleplan. Ich habe Tagesziele, Monatsziele und Jahresziele. Gestern, beim Zitate-Stöbern, fand ich dazu diesen schönen Spruch:20190427_lessing_langsam

Viele Menschen jagen durch das Leben. Beispielsweise arbeiten sie für den Lebensunterhalt auf Hochtouren, dasselbe gilt bei der Hausarbeit. Und dann schnell in den Urlaub mit Ansehen von Städten, Bergextremen oder noch schnell den Kick holen beim Mountain-Biking. Sie schwimmen schnell ein paar Runden durch die animationshungrigen Menschen im Swimming-Pool um sich dann fertig zu machen fürs Abendessen wo sie das Buffet stürmen und sich dann noch die Nacht um die Ohren schlagen…

„Langsam“ in so einer hektischen Welt – ist das noch möglich?

Nun sage ich mal rundheraus: „Ja!“

Ich habe vor einiger Zeit der Langsamkeit in meinem Leben Einzug gewähren lassen. Begonnen habe ich damit, dass ich bei meinen täglichen Gängen umschaltete auf einen ganz kleinen Gang. Anfangs glaubte ich, die Welt drehte sich ohne mich fort und ich sähe nur zu, wie alles an mir vorbeischwirrt. Es ist nämlich nicht einfach, buchstäblich langsamer zu gehen, als der Strom fließt. Bis ich sogar oft stehen blieb und mich umsah und dann wieder langsam weiterschritt. Ein Fuß vor den anderen.

Ich bemerkte so, dass es nur auf mich selbst ankommt. Schnell und hektisch, das geht gut. Aber langsam, das ist schon eine Herausforderung. Und dann auch noch Ziele erreichen – mit Langsamkeit?

Lessing bringt es auf den Punkt.

Ich übte und übte und kann schon auf ein bisschen Langsamkeit in meinem Leben zurückblicken. Immer wieder gerate ich ins „hudeln“, aber ich versuche dran zu bleiben.

Das Zwischenergebnis:

Was ich schon bemerke, ist, dass ich mich mit meiner Langsamkeit einfach „out“ fühle oder nicht mehr zugehörig zu dieser Welt.

Ich tauche aber auch ein in eine besondere Welt. In eine Welt der Stille, der Aufmerksamkeit, der Beobachtung und Behutsamkeit. Und die Worte Lessings geben mir die Zuversicht, auch so meine Ziele zu erreichen…

—–

Geht es euch auch manchmal so wie mir?…

Ich wünsche euch allen in diesem Sinne ein „langsames“ oder „langsameres“ Wochenende mit viel Gemütlichkeit und Ruhe.

Alles Liebe von eurer
Sophie


ZITATENSAMMLUNG


© Sophie Atheo
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THERAPIE

THERAPIE 1.19

 

Hallo Ihr Lieben!

Seit fünf Tagen bin ich wieder zu Hause vom Krankenhaus.

Da mich vor zirka einem Monat eine schwere Depression einholte, brauchte ich wieder ärztliche Hilfe. Es war doch etwas viel gewesen im letzten halben Jahr. Deshalb machte ich auch eine Blogpause.

Der Klinikalltag hatte mich so im Griff, dass ich mich jetzt in meinem für mich noch immer neuen Heim erst zurechtfinden muss. Für dieses Zurechtfinden habe ich bis 2. Mai ein wenig Zeit. Dann starte ich in eine zwölfwöchige stationäre Psychotherapie bzw Traumatherapie. Ich bin sehr gespannt, was da alles auf mich zukommt. Ich werde berichten.

Einige therapeutische Ansätze konnte ich schon in den letzten Wochen erfahren. Ich wurde unter anderem der Musik-Therapie zugeteilt. Ich allein, nicht in der Gruppe. Mit großer Angst ging ich zur ersten Stunde. Einzeltherapie ist schon heftig und dann auch noch Musiktherapie.

Musik … das ist so eine zweigeteilte Sache bei mir. Einerseits höre ich gerne Musik, sehr gerne markante Frauenstimmen. Andererseits habe ich selbst mal Musik gemacht. Als Kind durfte ich das Zitherspiel erlernen, Akkordeon und ein bisschen Klavier habe ich mir selbst beigebracht. Mein Vater spielte mit der Gitarre zu meinem Zitherspiel und auch ein Bekannter gesellte sich mit seiner Gitarre zu uns. Wir durften bei Hochzeiten für Tischmusik sorgen…

…damals…

…als die Ehe meiner Eltern auseinanderbrach – ich war gerade siebzehn geworden – beendete das auch unsere kleine Musiziergemeinschaft. Da das so abrupt passierte, konnte ich nicht mehr fröhlich meine Instrumente spielen. Im Gegenteil, es machte mich sehr traurig. Ich entschloss mich der Musik in dieser Form den Rücken zu kehren und das hielt ich bis vor einem Monat so.

Nun in der Musiktherapie bot mir die Therapeutin einen neuerlichen Zugang zum Musizieren.

In dem Therapiezimmer gab es zahlreiche Instrumente. Abgesehen von einer Anzahl von Trommeln und Xylophonen stand da auch ein Klavier. Ich sollte nun ein Instrument auswählen. Die Trommeln waren mir zu laut (obwohl man die auch leise spielen kann). Aus dem anderen Fundus kam kein Instrument in Frage, so entschied ich mich für das Klavier.

Auf die Bitte, einfach so das Klavier zum Klingen zu bringen, strich ich zuerst ganz leise mit meinem Zeigefinger über die Tasten, ohne sie zu drücken. Ich musste mich erst wieder annähern bzw meine innere Blockade abbauen … und ich strich ein zweites Mal über die Tasten, dieses Mal mit der ganzen Hand. Kühl fühlten sie sich an. Da lagen sie vor mir, die Weißen und die Schwarzen.

Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und drückte eine weiße Taste. Dann eine weitere und wieder eine. Plötzlich hatte ich eine Melodie im Kopf und dann ging alles sehr schnell. Das Musikstück, das aus meinen Händen erklang war „Brüderlein fein“. Und das war sehr passend, da ich meinem Bruder gegenüber eine große Dankbarkeit für seine Hilfe fühle. Das war zu viel für mich und die Tränen rannen mir über das Gesicht. Ein Gefühlsschwall überkam mich und ich hörte auf zu spielen. Ich weinte mich aus.

Dann saßen wir da, in der großen Stille, die noch durchflutet war von den weichen Tönen des Liedes.

Der Anfang war gemacht, der Bann gebrochen.

 

Ja, meine lieben Leserinnen und Leser, ich bin psychisch krank, ich leide an einer „Bipolaren Störung mit psychotischen Symptomen und schweren depressiven Episoden“ genau heißt es „Bipolar affektive Psychose“ bzw an einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“.

Warum schreibe ich das jetzt plötzlich so klar und deutlich?

Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, über (meine) psychische(n) Krankheiten und die damit verbundene Stigmatisierung aufzuklären. Oft wurde ich schon in die Ecke gedrängt, „die hat ja nicht alle Tassen im Schrank“. Oft schon habe ich mitbekommen, wie über Menschen, die einmal in der Psychiatrie gewesen waren, geredet wurde. Und da kam nichts Schönes. Ich habe aber auch erfahren, wenn ich in Gesprächen mit gesunden Menschen von meinen Krankheiten erzähle und Einblicke gewähre, dass großes Verständnis rüber kommt.

Mit dem Titel THERAPIE starte ich nun einen neuen Themenbereich. Das tue ich auch deshalb, weil ich in meinem Blog authentisch bleiben will und das geht nur, wenn ich über das was mich bewegt schreiben kann, besonders in nächster Zeit.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und viel Kraft fürs Leben!

Eure

Sophie


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