OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GEDANKEN 10.18 – Seneca

Wieder einmal sitzt Sophie in ihrem Ohrensessel und hält ein Büchlein in der Hand, das sie schon einmal gelesen hat. Auf der Titelseite steht groß: Seneca, De tranquillitate animi, Über die Ausgeglichenheit der Seele.

An einer Wortfolge auf Seite 21 bleibt sie hängen:

…das Übel, an dem wir leiden, liegt nicht an den Orten [die wir bereisen], sondern an uns. Zu kraftlos sind wir, alles zu ertragen, weder fähig, Mühe, ein Vergnügen, uns selber oder überhaupt etwas länger auszuhalten. Dieser Zustand hat manchen in den Tod getrieben.

Lange grübelt sie über die Worte, „etwas länger auszuhalten“ nach.

Das ist wohl wieder ein Seelenbaustein, den sie gefunden hat, denkt sie sich und sinnt ein bisschen weiter…

 


OHRENSESSEL-GEDANKEN 9.18 – Wiederholungen

OHRENSESSEL-GEDANKEN 11.18


 

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10 Gedanken zu „OHRENSESSEL-GEDANKEN 10.18 – Seneca“

  1. „Aushalten“ hat für mich zwei Verständnis-Möglichkeiten: eine passive, die nur sehnt dass etwas vorbei sei, aber leider nur die Option „alles“ kennt, und eine aktive, die hoffen kann, dass der unerwünschte Zustand endet, aber das eigene Dasein gegen Widrigkeiten behaupten will.

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  2. Ich möchte sagen: Es besteht eine Wechselwirkung. Geologisch ist nicht jeder Ort für unsere Seelenstruktur gleich geeignet (ich zum Beispiel finde die Schwäbische Alb wunderschön, aber ich könnte nie da leben). An manchen Orten und in manchen Ländern haben wir auch wegen Erfahrungen früherer Leben ganz unterschiedliche Empfindungen, die können z.B. positive Erfahrungen, die man machen könnte, sehr erschweren. Und in manchen alten Häusern spürt man das Unglück vergangener Zeiten, manche Orte dagegen tun einfach nur gut. – Manchmal ist es von Übel, so möchte ich Seneca sagen, dass es uns an falsche Orte treibt (oft hängt es mit unserer seelischen Verfassung zusammen und es wäre ganz und gar falsch zu glauben, es fehle uns an der Kraft, etwas nicht ertragen zu können). Natürlich weiß ich, was der Gute meint, nur, finde ich, ist es ausgesprochen günstig, wenn man die Fähigkeit entwickelt, Orte sofort wieder zu verlassen, die aufgrund ihrer „Konstitution“ uns gar nicht gut tun. Den obigen gedanklichen Ort Senecas zum Beispiel wollte ich nicht bewohnen wollen :-). Wie so oft, klingen solche Aussagen gut. Alles was mit „in uns“ zu tun hat, kommt immer gut an. Aber so einfach ist es oft nicht.

    Liebe Grüße

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