OHRENSESSEL-GEDANKEN

OHRENSESSEL-GESCHICHTE 4.18 – Beunruhigt

20180105_strichmaennchen_2„Eigenartig? Was macht die Milch im Tellerschrank? Wie lange ist die schon da drinnen?“ denkt S. Recht kalt fühlt sie sich nicht mehr an.

Sie blickt auf die Uhr und stellt verwundert fest, dass es schon 17.00 Uhr ist. Es fehlt ihr Zeit, stellt sie weiter fest. So in etwa drei Stunden. „Es war doch gerade eben noch 14.00 Uhr?“ denkt sie weiter.

Etwas ratlos und irgendwie auch erschrocken steht S. da so ein paar Minuten in ihrer Küche, ehe sie die Milch aus dem Kasten nimmt und in den Kühlschrank stellt.

Verwirrt geht S. ins Wohnzimmer und setzt sich in ihren Ohrensessel.

So was Ähnliches war ihr in den letzten Wochen schon öfter passiert, dass sie unter anderem auch Haushaltsgegenstände nicht mehr fand und dann an vollkommen unüblichen Stellen in der Wohnung wieder entdeckte.

Eine tiefe Angst beschleicht ihre Seele. „Ich bin doch nicht verrückt?“

Dieser Gedanke kam ihr im letzten Jahr schon öfter mal, aber sie verwarf ihn immer gleich wieder. Heute aber, kann sie diesen Gedanken nicht mehr wegschieben, zu sehr drängt er sich ihr auf. Und da gibt es auch noch anderes, was sie schon länger sehr beunruhigt.

Was ist das in ihrem Inneren?

Sie fühlt sich oft und auch jetzt im Moment so eigenartig neben sich. So als ob sie da in sich nicht alleine ist.

Hmmm … sie hatte sich innerlich vor eigentlich genau einem Monat von ihrer Glaubensgemeinschaft distanziert und verabschiedet. Innerlich, das heißt sie wählte den Weg der inneren Emigration. Und sie hatte es bis jetzt noch nicht geschafft, diesen inneren neuen Menschen, den sie K. nannte nach außen zu kehren.

Doch eigentlich ist sie ja jetzt K. und nicht mehr S.

K. war ihr von Anfang an sehr vertraut gewesen. Sie musste da nicht großartig irgendeine Persönlichkeit in sich konstruieren. K. war plötzlich einfach da. K. hat keine Vergangenheit. K. hat eine sogenannte „weiße Weste“ und sie weiß genau was sie will. Sie ist Atheistin und dem Wissen und der Bildung verfallen. Was K. einfach nicht leiden kann ist Unwissenheit. Und neugierig ist die K., neugierig auf alles was ihrer geistigen Horizonterweiterung dient.

Ja … wenn da nur die K. wäre… Seit Tagen fühlt K. oder S. auch ein kindliches Wesen in sich, das sich enorm Gehör verschaffen will. Dieses Kind heißt Amy. Amy ist den ganzen Tag nur fröhlich. Sie ist immer auf Entdeckungsreise, will nur kuscheln und ist auch sonst sehr lieb. Amy ist sieben Jahre alt und kann gut lesen. Überhaupt sind Bücher ihre große Leidenschaft.

Hmmm … und da ist noch jemand. Aber wer das genau ist … K. weiß es nicht, oder noch nicht.

Sie ist verwirrt. Um wieder aus ihrem Inneren heraus zu kommen, steht sie auf und geht in die Küche, um sich einen Tee zu machen. Ihren Lieblingstee, den Kirschtee von Teekanne. Der heiße Tee wird ihr gut tun. … Ja, wessen Lieblingstee ist das eigentlich?

War sie jetzt S. oder K. oder Amy oder das noch unbekannte Wesen? Ziemlich verloren blickt sie aus dem Küchenfenster. Es hat zu schneien begonnen.

Alle freuen sich über den Schnee, jede auf ihre Weise…


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© Bild und Text Sophie Atheo

 

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4 Gedanken zu „OHRENSESSEL-GESCHICHTE 4.18 – Beunruhigt“

  1. Ich bin Milliarden

    Milliarden Gesichter verkörpern mich.
    EINES derer bist du.
    Alle möglichen Welten zeigen sich mir.
    Du aber siehst die deine.
    Wo die kleinen Geschichten enden,
    beginnen die großen.
    Die kleinen sind es, die Großes bewirken.
    Mich auf meinem Weg zu begleiten,
    bedeutet dich mir anzuvertrauen.
    Dein Vertrauen in mich,
    lässt dein Vertrauen in dich aufblühen.
    Nein, es ist dies kein blumiges Rätsel,
    es ist des Rätsels einfache Lösung.
    Gleichwohl der einzige Weg,
    den wir nur gemeinsam gehen können.
    Machen wir den ersten Schritt.
    Bitte – nach dir.

    Quelle: Prolog zu Band 1: CHRYSALIS

    Verrückt ist EINE Gesellschaft, die glaubt, das Leben sei von Normen beherrscht. Verrückt von den Vorstellungen EINER Gesellschaft zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig den Verstand verloren zu haben.

    LG

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